Wie sicher ist Tagesgeld? Schutz, Grenzen, Risiken

Wie sicher ist Tages­geld? Schutz, Gren­zen, Risi­ken

Ein attrak­ti­ver Tages­geld­zins ist schnell gefun­den. Ent­schei­dend ist aber die Fra­ge dahin­ter: Wie sicher ist Tages­geld, wenn die Bank in Schwie­rig­kei­ten gerät, ihren Sitz im Aus­land hat oder das Gut­ha­ben über der Siche­rungs­gren­ze liegt? Für die meis­ten Spa­rer in Deutsch­land ist Tages­geld eine sehr siche­re Anla­ge­form — sofern sie die Ein­la­gen­si­che­rung rich­tig ein­ord­nen und nicht nur auf den höchs­ten Zins­satz schau­en.

Tages­geld ver­bin­det zwei Vor­tei­le: Das Geld ist in der Regel täg­lich ver­füg­bar und gesetz­lich geschützt. Die­ser Schutz hat jedoch kla­re Gren­zen. Wer grö­ße­re Beträ­ge anlegt, Ange­bo­te euro­päi­scher Ban­ken nutzt oder Geld für einen bestimm­ten Zweck parkt, soll­te vor der Kon­to­er­öff­nung genau­er ver­glei­chen.

Wie sicher ist Tages­geld durch die Ein­la­gen­si­che­rung?

Tages­geld­gut­ha­ben bei Ban­ken mit gesetz­li­cher Ein­la­gen­si­che­rung sind grund­sätz­lich bis zu 100.000 Euro je Kun­de und Bank geschützt. Die Regel gilt für pri­va­te Spa­rer eben­so wie für vie­le Unter­neh­men und gilt nicht nur für Tages­geld, son­dern auch für Giro­kon­ten, Fest­geld und Spar­gut­ha­ben.

Gerät eine Bank in die Insol­venz, soll die zustän­di­ge Ent­schä­di­gungs­ein­rich­tung das geschütz­te Gut­ha­ben inner­halb von sie­ben Arbeits­ta­gen aus­zah­len. Maß­geb­lich ist dabei nicht, wie vie­le Kon­ten Sie füh­ren. Ent­schei­dend ist die Sum­me aller Ein­la­gen bei der­sel­ben Bank. Wer dort etwa 30.000 Euro auf dem Giro­kon­to und 80.000 Euro auf dem Tages­geld­kon­to hält, liegt mit 110.000 Euro ins­ge­samt über der gesetz­li­chen Gren­ze.

Bei Gemein­schafts­kon­ten gilt die Siche­rung grund­sätz­lich pro Kon­to­in­ha­ber. Ein gemein­sa­mes Tages­geld­kon­to eines Ehe­paars kann daher bis zu 200.000 Euro gesetz­lich abge­si­chert sein, wenn bei­de Per­so­nen jeweils zur Hälf­te anspruchs­be­rech­tigt sind.

In beson­de­ren Lebens­si­tua­tio­nen kann vor­über­ge­hend ein höhe­rer Schutz bestehen. Das betrifft bei­spiels­wei­se Gel­der aus dem Ver­kauf einer pri­vat genutz­ten Immo­bi­lie, aus einer Erb­schaft, einer Schei­dung oder bestimm­ten Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen. Für sol­che tem­po­rär hohen Gut­ha­ben kön­nen bis zu 500.000 Euro für sechs Mona­te geschützt sein. Die Vor­aus­set­zun­gen sind eng gefasst. Bewah­ren Sie des­halb Bele­ge auf und klä­ren Sie den Ein­zel­fall früh­zei­tig mit der Bank oder der zustän­di­gen Siche­rungs­ein­rich­tung.

Gesetz­li­che und frei­wil­li­ge Siche­rung: Was ist der Unter­schied?

Die gesetz­li­che Ein­la­gen­si­che­rung ist der ver­läss­li­che Min­dest­schutz. In Deutsch­land gehö­ren Ban­ken je nach Insti­tut unter­schied­li­chen Ent­schä­di­gungs­sys­te­men an. Für pri­va­te Ban­ken ist häu­fig die Ent­schä­di­gungs­ein­rich­tung deut­scher Ban­ken zustän­dig. Spar­kas­sen und Genos­sen­schafts­ban­ken ver­fü­gen über eige­ne gesetz­li­che Siche­rungs­sys­te­me.

Dane­ben gibt es bei man­chen Ban­ken­grup­pen frei­wil­li­ge, zusätz­li­che Siche­rungs­ein­rich­tun­gen. Sie kön­nen Beträ­ge ober­halb von 100.000 Euro erfas­sen. Dar­auf soll­ten Spa­rer ihre Ent­schei­dung aber nicht allein stüt­zen. Die Bedin­gun­gen frei­wil­li­ger Sys­te­me kön­nen sich ändern, und der Schutz ist nicht bei jedem Insti­tut gleich aus­ge­stal­tet.

Für einen siche­ren Ver­gleich zählt daher zuerst die gesetz­li­che Deckung. Wenn Sie mehr als 100.000 Euro liqui­de anle­gen möch­ten, ist die prak­tischs­te Lösung meist nicht die Suche nach einer mög­lichst hohen Zusatz­ab­si­che­rung. Ver­tei­len Sie das Gut­ha­ben lie­ber auf meh­re­re recht­lich eigen­stän­di­ge Ban­ken. So bleibt jeder Teil­be­trag inner­halb der gesetz­li­chen Gren­ze.

Ach­tung bei meh­re­ren Mar­ken der­sel­ben Bank

Zwei unter­schied­li­che Namen bedeu­ten nicht auto­ma­tisch zwei Siche­rungs­gren­zen. Direkt­ban­ken, Online-Mar­ken und Ver­triebs­mar­ken kön­nen recht­lich zu der­sel­ben Bank gehö­ren. Dann wer­den alle Gut­ha­ben zusam­men­ge­rech­net.

Prü­fen Sie vor der Anla­ge des­halb das Impres­sum und den voll­stän­di­gen Namen des Kre­dit­in­sti­tuts. Auch bei einer Ban­ken­grup­pe kann es recht­lich eigen­stän­di­ge Insti­tu­te geben — oder eben nicht. Die­se Infor­ma­ti­on ist wich­ti­ger als das Design der App oder der Name des Tages­geld­pro­dukts.

Tages­geld bei aus­län­di­schen Ban­ken: sicher, aber mit Län­der­be­zug

Vie­le Tages­geld­an­ge­bo­te stam­men von Ban­ken mit Sitz in ande­ren EU- oder EWR-Staa­ten. Dort gilt eben­falls eine gesetz­li­che Ein­la­gen­si­che­rung von bis zu 100.000 Euro pro Kun­de und Bank. Der Schutz wird jedoch vom jewei­li­gen Hei­mat­land der Bank orga­ni­siert, nicht auto­ma­tisch von einem deut­schen Siche­rungs­sys­tem.

Das ist kein Aus­schluss­kri­te­ri­um. Es ver­än­dert aber die Risi­ko­be­trach­tung. Im Ent­schä­di­gungs­fall sind die wirt­schaft­li­che Stär­ke des Hei­mat­staats, die Orga­ni­sa­ti­on des dor­ti­gen Siche­rungs­fonds und mög­li­che prak­ti­sche Hür­den rele­vant. Dazu kön­nen Kom­mu­ni­ka­ti­on, For­mu­la­re oder eine Aus­zah­lung in einer ande­ren Wäh­rung gehö­ren, sofern die Ein­la­ge nicht in Euro geführt wird.

Bei Ban­ken aus EU-Län­dern ist das Schutz­ni­veau recht­lich ver­gleich­bar. Die tat­säch­li­che Belast­bar­keit kann den­noch unter­schied­lich wahr­ge­nom­men wer­den, weil sich Staats­fi­nan­zen, Ban­ken­auf­sicht und Markt­um­feld unter­schei­den. Wer maxi­ma­le Ein­fach­heit bevor­zugt, wählt eine Bank mit deut­scher Ein­la­gen­si­che­rung. Wer höhe­re Zin­sen bei einer euro­päi­schen Bank nut­zen möch­te, soll­te den Bank­stand­ort bewusst in die Ent­schei­dung ein­be­zie­hen und kei­ne Sum­men über der Siche­rungs­gren­ze anle­gen.

Bei Ban­ken außer­halb des Euro­päi­schen Wirt­schafts­raums ist beson­de­re Vor­sicht ange­bracht. Eine deut­sche Spra­che auf der Web­sei­te oder ein deut­sches Refe­renz­kon­to sagt nichts dar­über aus, ob eine euro­päi­sche Ein­la­gen­si­che­rung greift. Prü­fen Sie immer, wel­che Bank Ihr Ver­trags­part­ner ist und wel­chem Siche­rungs­sys­tem sie ange­hört.

Die Risi­ken von Tages­geld lie­gen nicht nur bei der Bank­plei­te

Eine Ein­la­gen­si­che­rung schützt vor dem Ver­lust gedeck­ter Gut­ha­ben durch die Insol­venz der Bank. Sie schützt nicht vor jedem Nach­teil. Das wich­tigs­te Risi­ko im All­tag ist die Infla­ti­on: Stei­gen Prei­se stär­ker als Ihr Tages­geld­zins, ver­liert das Geld real an Kauf­kraft. Ihr Kon­to­stand bleibt gleich oder wächst leicht, aber Sie kön­nen sich spä­ter weni­ger dafür kau­fen.

Auch der Zins­satz selbst ist nicht garan­tiert. Anders als beim Fest­geld kann die Bank Tages­geld­zin­sen jeder­zeit anpas­sen. Beson­ders hohe Neu­kun­den­zin­sen gel­ten oft nur für weni­ge Mona­te oder nur bis zu einem bestimm­ten Anla­ge­be­trag. Danach kann der Zins­satz deut­lich nied­ri­ger aus­fal­len. Kon­trol­lie­ren Sie des­halb das Ende einer Zins­ga­ran­tie und ver­glei­chen Sie recht­zei­tig neu.

Ein wei­te­rer Punkt ist die Ver­füg­bar­keit. Tages­geld heißt nor­ma­ler­wei­se, dass Sie jeder­zeit über Ihr Gut­ha­ben ver­fü­gen kön­nen. Bei eini­gen Ange­bo­ten lau­fen Ein- und Aus­zah­lun­gen aber über ein Refe­renz­kon­to, oder die Bank ver­langt für bestimm­te Vor­gän­ge zusätz­li­che Sicher­heits­frei­ga­ben. Das ist sinn­vol­ler Betrugs­schutz, kann bei aku­tem Geld­be­darf aber Zeit kos­ten.

Nicht zuletzt gibt es ein Betrugs­ri­si­ko außer­halb der Bank­bi­lanz. Gefälsch­te Ver­gleichs­sei­ten, Phis­hing-Mails und angeb­li­che Fest- oder Tages­geld­an­ge­bo­te mit unrea­lis­tisch hohen Zin­sen zie­len auf Über­wei­sun­gen an Betrü­ger. Für sol­che frei­wil­lig ver­an­lass­ten Zah­lun­gen greift die Ein­la­gen­si­che­rung nicht. Eröff­nen Sie Kon­ten nur über nach­voll­zieh­ba­re Wege, prü­fen Sie die Emp­fän­ger­bank und geben Sie Frei­ga­be­codes nie­mals am Tele­fon oder über Links in E‑Mails wei­ter.

So legen Sie Tages­geld sicher an

Für einen Not­gro­schen und Geld, das in den nächs­ten Mona­ten gebraucht wird, ist Tages­geld oft pas­send. Die Höhe rich­tet sich nach Ihrer Lebens­si­tua­ti­on. Häu­fig wer­den drei bis sechs Monats­aus­ga­ben als Reser­ve genannt. Selbst­stän­di­ge oder Haus­hal­te mit schwan­ken­dem Ein­kom­men benö­ti­gen teil­wei­se mehr Liqui­di­tät.

Vor dem Abschluss soll­ten Sie nicht nur den bewor­be­nen Zins ver­glei­chen, son­dern die­se Punk­te zusam­men betrach­ten:

  • gesetz­li­che Ein­la­gen­si­che­rung und Sitz der Bank
  • maxi­mal geschütz­ter Betrag je Bank und Ihre bereits vor­han­de­nen Ein­la­gen
  • Zins­hö­he, Zins­ga­ran­tie und Zins­satz nach Ablauf des Akti­ons­zeit­raums
  • Min­dest­an­la­ge, mög­li­che Höchst­an­la­ge und Bedin­gun­gen für Neu­kun­den
  • Kon­to­füh­rung, Refe­renz­kon­to und Erreich­bar­keit des Kun­den­ser­vice

Bei Beträ­gen ober­halb von 100.000 Euro ist eine Auf­tei­lung auf meh­re­re Ban­ken meist sinn­voll. Ein Bei­spiel: 180.000 Euro las­sen sich auf zwei recht­lich unab­hän­gi­ge Ban­ken zu jeweils 90.000 Euro ver­tei­len. Damit bleibt das Gut­ha­ben bei jeder Bank inner­halb des gesetz­li­chen Schut­zes. Wer zusätz­lich Giro- oder Fest­geld­gut­ha­ben bei einer die­ser Ban­ken führt, muss die­se Beträ­ge ein­rech­nen.

Tages­geld ist dage­gen weni­ger geeig­net für Geld, das lang­fris­tig Ren­di­te erzie­len soll. Über vie­le Jah­re kann die Infla­ti­on den Ertrag auf­zeh­ren. Für lang­fris­ti­ge Zie­le kön­nen je nach Risi­ko­be­reit­schaft ande­re Anla­ge­for­men sinn­voll sein. Tages­geld erfüllt vor allem eine Funk­ti­on: Liqui­di­tät sicher par­ken, nicht Ver­mö­gen über Jahr­zehn­te auf­bau­en.

Wann Tages­geld beson­ders gut passt

Tages­geld eig­net sich für die finan­zi­el­le Reser­ve, für abseh­ba­re Aus­ga­ben wie eine Steu­er­zah­lung oder eine geplan­te Anschaf­fung sowie als Zwi­schen­lö­sung, wenn Sie eine grö­ße­re Anla­ge­ent­schei­dung noch nicht tref­fen möch­ten. Die täg­li­che Ver­füg­bar­keit ist dabei ein ech­ter Vor­teil gegen­über Fest­geld.

Wenn Sie dage­gen bereits wis­sen, dass Sie einen Betrag für ein oder zwei Jah­re nicht benö­ti­gen, kann Fest­geld mit fes­ter Ver­zin­sung die plan­ba­re­re Alter­na­ti­ve sein. Dafür ver­zich­ten Sie auf Fle­xi­bi­li­tät. Ein sinn­vol­ler Mix kann sein, den Not­gro­schen auf Tages­geld zu hal­ten und nur den dar­über hin­aus­ge­hen­den, sicher nicht benö­tig­ten Betrag län­ger zu bin­den.

Ver­glei­chen Sie Tages­geld­an­ge­bo­te nicht allein nach dem Spit­zenzins. Prü­fen Sie Bank, Siche­rungs­gren­ze, Zins­dau­er und die recht­li­che Eigen­stän­dig­keit des Insti­tuts. So bleibt Tages­geld das, was es sein soll: ein ein­fa­ches, gut ver­füg­ba­res und für über­schau­ba­re Beträ­ge sehr siche­res Kon­to für Ihre Liqui­di­täts­re­ser­ve.