ETF-Depot oder Robo-Advisor: Was passt besser?

ETF-Depot oder Robo-Advi­sor: Was passt bes­ser?

Ein ETF-Spar­plan ist schnell ein­ge­rich­tet. Die schwie­ri­ge­re Fra­ge folgt danach: ETF Depot oder Robo Advi­sor? Bei­de Wege ermög­li­chen lang­fris­ti­gen Ver­mö­gens­auf­bau mit ETFs, unter­schei­den sich aber deut­lich bei Kos­ten, Kon­trol­le und dem lau­fen­den Auf­wand. Wer die Ent­schei­dung pas­send zu den eige­nen Gewohn­hei­ten trifft, ver­mei­det unnö­ti­ge Gebüh­ren und Fehl­ent­schei­dun­gen in unru­hi­gen Bör­sen­pha­sen.

ETF-Depot oder Robo-Advi­sor: Der zen­tra­le Unter­schied

Ein ETF-Depot ist die Lösung für Selbst­ent­schei­der. Sie eröff­nen ein Wert­pa­pier­de­pot, wäh­len ein­zel­ne ETFs aus und legen fest, ob und in wel­cher Höhe Sie ein­ma­lig inves­tie­ren oder regel­mä­ßig spa­ren. Auch die Auf­tei­lung Ihres Gel­des zwi­schen Akti­en, Anlei­hen oder ande­ren Anla­ge­klas­sen bestim­men Sie selbst.

Ein Robo-Advi­sor über­nimmt die­se Schrit­te weit­ge­hend digi­tal. Nach Fra­gen zu Anla­ge­ziel, Lauf­zeit, finan­zi­el­ler Situa­ti­on und Risi­ko­be­reit­schaft schlägt der Anbie­ter eine zu Ihrem Pro­fil pas­sen­de Geld­an­la­ge vor. Das Kapi­tal wird anschlie­ßend auto­ma­ti­siert inves­tiert und das Port­fo­lio bei Bedarf wie­der in die vor­ge­se­he­ne Gewich­tung gebracht.

Der Unter­schied ist damit nicht die grund­sätz­li­che Anla­ge­form. Vie­le Robo-Advi­sor inves­tie­ren eben­falls über­wie­gend über ETFs. Ent­schei­dend ist, wer die Anla­ge­ent­schei­dun­gen trifft und wie viel Unter­stüt­zung Sie beim Durch­hal­ten Ihrer Stra­te­gie erhal­ten.

Wann ein ETF-Depot die pas­sen­de Wahl ist

Ein ETF-Depot passt vor allem, wenn Sie bereit sind, sich ein­mal fun­diert mit Ihrer Geld­an­la­ge zu beschäf­ti­gen. Das heißt nicht, dass Sie stän­dig Kur­se beob­ach­ten oder aktiv han­deln müs­sen. Für vie­le Anle­ger genügt ein breit gestreu­ter Welt-ETF als Basis, ergänzt durch einen fes­ten Spar­plan.

Der gro­ße Vor­teil liegt in der Kon­trol­le. Sie ent­schei­den, wel­che ETFs in Ihr Depot kom­men, wie hoch die Akti­en­quo­te ist und bei wel­chem Anbie­ter Sie han­deln. Möch­ten Sie bei­spiels­wei­se aus­schließ­lich nach­hal­tig aus­ge­rich­te­te ETFs nut­zen oder einen bestimm­ten Index abbil­den, set­zen Sie das direkt um. Auch ein Wech­sel der Spar­ra­te ist in der Regel unkom­pli­ziert mög­lich.

Hin­zu kom­men oft gerin­ge­re lau­fen­de Kos­ten. Vie­le Direkt­ban­ken und Neo­bro­ker bie­ten kos­ten­lo­se Depot­füh­rung und güns­ti­ge oder kos­ten­lo­se ETF-Spar­plä­ne an. Sie zah­len dann haupt­säch­lich die lau­fen­den Pro­dukt­kos­ten des ETF, die bereits im Fonds­ver­mö­gen berück­sich­tigt wer­den. Bei einem ein­fa­chen, lang­fris­ti­gen ETF-Spar­plan kann die­ser Kos­ten­vor­teil über vie­le Jah­re spür­bar sein.

Die Kehr­sei­te: Sie tra­gen die Ver­ant­wor­tung. Sie müs­sen den ETF aus­wäh­len, Ihre Risi­ko­struk­tur fest­le­gen und bei Bedarf selbst anpas­sen. Wer etwa mit 100 Pro­zent Akti­en star­tet, soll­te wis­sen, dass zwi­schen­zeit­li­che Ver­lus­te von 30 Pro­zent oder mehr mög­lich sind. Gera­de wenn Kur­se stark fal­len, ist es nicht immer leicht, am eige­nen Plan fest­zu­hal­ten.

Ein Depot ist nicht auto­ma­tisch kom­pli­ziert

Vie­le Ein­stei­ger über­schät­zen den lau­fen­den Auf­wand. Ein ein­fa­ches Depot mit einem oder zwei breit streu­en­den ETFs braucht kei­ne wöchent­li­che Pfle­ge. Sinn­voll ist eher ein fes­ter Prüf­ter­min, zum Bei­spiel ein­mal jähr­lich. Dann kon­trol­lie­ren Sie Spar­ra­te, Anla­ge­ziel und die Auf­tei­lung im Depot.

Kom­plex wird ein ETF-Depot erst, wenn Sie vie­le The­men-ETFs, Ein­zel­ak­ti­en oder häu­fi­ge Umschich­tun­gen hin­zu­fü­gen. Mehr Aus­wahl bedeu­tet nicht auto­ma­tisch eine bes­se­re Geld­an­la­ge. Oft stei­gen damit nur Auf­wand, Han­dels­kos­ten und das Risi­ko, impul­siv zu reagie­ren.

Für wen sich ein Robo-Advi­sor lohnt

Ein Robo-Advi­sor kann sinn­voll sein, wenn Sie inves­tie­ren möch­ten, sich aber nicht selbst um die kon­kre­te Zusam­men­stel­lung küm­mern wol­len. Das gilt auch für Anle­ger, die ihr Risi­ko schwer ein­schät­zen kön­nen oder bei fal­len­den Kur­sen zu vor­schnel­len Ver­käu­fen nei­gen.

Die digi­ta­le Ver­mö­gens­ver­wal­tung erstellt übli­cher­wei­se ein Port­fo­lio aus meh­re­ren ETFs oder Fonds. Je nach Anbie­ter kön­nen Akti­en, Anlei­hen, Roh­stof­fe oder Liqui­di­tät ent­hal­ten sein. Fällt ein Bau­stein deut­lich oder steigt stark an, sorgt das auto­ma­ti­sche Reba­lan­cing dafür, dass die ursprüng­lich gewähl­te Risi­ko­struk­tur wie­der­her­ge­stellt wird.

Das kann beson­ders bei grö­ße­ren Beträ­gen prak­tisch sein. Ange­nom­men, Ihre Stra­te­gie sieht 70 Pro­zent Akti­en und 30 Pro­zent Anlei­hen vor. Nach einem star­ken Akti­en­jahr kann der Akti­en­an­teil deut­lich über 70 Pro­zent lie­gen. Im eige­nen Depot müss­ten Sie die Gewich­tung kon­trol­lie­ren und gege­be­nen­falls selbst umschich­ten. Beim Robo-Advi­sor erfolgt das je nach Kon­zept auto­ma­tisch.

Ein wei­te­rer Vor­teil ist die kla­re Struk­tur. Der Fra­ge­bo­gen zwingt dazu, Anla­ge­ho­ri­zont, Ver­lust­ri­si­ko und Ziel der Geld­an­la­ge zu defi­nie­ren. Das ersetzt kei­ne per­sön­li­che Anla­ge­be­ra­tung, kann aber hel­fen, mit einem nach­voll­zieh­ba­ren Kon­zept zu star­ten statt ETFs nach aktu­el­len Schlag­zei­len aus­zu­wäh­len.

Der Kom­fort kos­tet lau­fend Geld

Für die Ver­wal­tung berech­nen Robo-Advi­sor meist eine Ser­vice­ge­bühr. Je nach Anbie­ter, Anla­ge­sum­me und Stra­te­gie kön­nen zusätz­lich zu den ETF-Kos­ten jähr­lich etwa 0,25 bis 1,0 Pro­zent des ange­leg­ten Ver­mö­gens anfal­len. Bei 20.000 Euro sind das grob 50 bis 200 Euro pro Jahr, zuzüg­lich der Pro­dukt­kos­ten.

Die­se Dif­fe­renz wirkt auf den ers­ten Blick klein. Über lan­ge Lauf­zei­ten kann sie jedoch die Ren­di­te merk­lich redu­zie­ren, weil Gebüh­ren nicht wei­ter mit­in­ves­tiert wer­den. Prü­fen Sie des­halb immer die Gesamt­kos­ten: Ver­wal­tungs­ge­bühr, Kos­ten der ein­ge­setz­ten ETFs oder Fonds sowie mög­li­che Gebüh­ren für Ein- und Aus­zah­lun­gen.

Auch die Aus­wahl­frei­heit ist gerin­ger. Sie wäh­len meist eine Risi­ko­stu­fe oder Stra­te­gie, nicht jeden ein­zel­nen ETF. Wer gezielt bestimm­te Indi­zes, Anbie­ter oder Aus­schluss­kri­te­ri­en nut­zen möch­te, fin­det in einem selbst geführ­ten Depot häu­fig mehr Mög­lich­kei­ten.

Kos­ten, Zeit und Kon­trol­le im direk­ten Ver­gleich

| Kri­te­ri­um | ETF-Depot | Robo-Advi­sor | |—|—|—| | Anla­ge­aus­wahl | Sie wäh­len ETFs und Gewich­tung selbst | Anbie­ter stellt das Port­fo­lio zusam­men | | Lau­fen­der Auf­wand | Gering bis mit­tel, abhän­gig von Ihrer Stra­te­gie | Sehr gering | | Lau­fen­de Kos­ten | Häu­fig vor allem ETF-Kos­ten | ETF-Kos­ten plus Ver­wal­tungs­ge­bühr | | Reba­lan­cing | Sie set­zen es selbst um | Meist auto­ma­ti­siert | | Fle­xi­bi­li­tät | Sehr hoch | Abhän­gig vom ver­füg­ba­ren Stra­te­gie­mo­dell | | Geeig­net für | Infor­mier­te Selbst­ent­schei­der | Anle­ger mit Wunsch nach Dele­ga­ti­on |

Wich­tig: Kos­ten­lo­ses Depot und kos­ten­lo­ser Spar­plan bedeu­ten nicht, dass die Anla­ge kos­ten­frei ist. Jeder ETF hat lau­fen­de Kos­ten. Umge­kehrt ist ein Robo-Advi­sor nicht grund­sätz­lich zu teu­er, wenn Sie die auto­ma­ti­sier­te Umset­zung nut­zen und dadurch dau­er­haft bei Ihrer Stra­te­gie blei­ben. Der pas­sen­de Weg hängt davon ab, wel­chen Nut­zen Sie aus der Betreu­ung zie­hen.

Steu­ern und Sicher­heit: Was Anle­ger wis­sen soll­ten

Bei in Deutsch­land ansäs­si­gen Ban­ken und vie­len digi­ta­len Ver­mö­gens­ver­wal­tern wer­den Kapi­tal­ertrag­steu­er, Soli­da­ri­täts­zu­schlag und gege­be­nen­falls Kir­chen­steu­er nor­ma­ler­wei­se auto­ma­tisch abge­führt. Einen Frei­stel­lungs­auf­trag soll­ten Sie trotz­dem ein­rich­ten, damit Ihr Spa­rer-Pausch­be­trag berück­sich­tigt wird. Bei aus­län­di­schen Bro­kern kann die steu­er­li­che Abwick­lung mehr Eigen­auf­wand bedeu­ten.

Wert­pa­pie­re wie ETFs gel­ten im Regel­fall als Son­der­ver­mö­gen. Bei einer Insol­venz der depot­füh­ren­den Bank gehö­ren sie grund­sätz­lich nicht zur Insol­venz­mas­se. Das schützt aller­dings nicht vor Kurs­ver­lus­ten. Der Wert eines ETF kann schwan­ken, und ver­gan­ge­ne Ren­di­ten sind kei­ne Zusa­ge für die Zukunft.

Ach­ten Sie außer­dem auf die Ein­la­gen­si­che­rung: Gut­ha­ben auf dem Ver­rech­nungs­kon­to sind etwas ande­res als die im Depot gehal­te­nen Wert­pa­pie­re. Wer grö­ße­re Beträ­ge zunächst unver­zinst parkt, soll­te die­sen Unter­schied ken­nen.

Die Ent­schei­dung anhand von vier Fra­gen tref­fen

Statt nur auf die erwar­te­te Ren­di­te zu schau­en, hilft eine ehr­li­che Bestands­auf­nah­me. Ers­tens: Möch­ten Sie selbst aus­wäh­len, wor­in Sie inves­tie­ren? Zwei­tens: Blei­ben Sie auch bei deut­li­chen Kurs­rück­gän­gen vor­aus­sicht­lich bei Ihrer Stra­te­gie? Drit­tens: Reicht Ihnen ein ein­fa­ches ETF-Kon­zept, oder wün­schen Sie ein auto­ma­tisch ver­wal­te­tes Port­fo­lio? Vier­tens: Wie hoch ist der zusätz­li­che Preis, den Sie für die­se Ent­las­tung lang­fris­tig akzep­tie­ren?

Wenn Sie die ETF-Aus­wahl nach­voll­zie­hen kön­nen, Kos­ten nied­rig hal­ten möch­ten und ein­mal jähr­lich einen Check durch­füh­ren, ist ein ETF-Depot häu­fig die nahe­lie­gen­de Lösung. Ver­glei­chen Sie Depot­ge­büh­ren, Spar­plan­kon­di­tio­nen, ETF-Aus­wahl und Kos­ten für Ein­zelor­ders, bevor Sie ein Depot eröff­nen.

Wenn Sie kei­ne Zeit oder kein Inter­es­se an Port­fo­li­oent­schei­dun­gen haben, kann ein Robo-Advi­sor den Ein­stieg ver­ein­fa­chen. Ver­glei­chen Sie dann nicht nur die bewor­be­ne Ren­di­te, son­dern vor allem Anla­ge­stra­te­gie, Gesamt­kos­ten, Min­dest­an­la­ge, ver­füg­ba­re Risi­ko­stu­fen und die Regeln für Aus­zah­lun­gen.

Ein Mit­tel­weg ist eben­falls mög­lich

Die Wahl muss nicht end­gül­tig sein. Man­che Anle­ger star­ten mit einem Robo-Advi­sor, um eine fes­te Struk­tur zu erhal­ten, und bau­en spä­ter zusätz­lich ein eige­nes ETF-Depot auf. Ande­re füh­ren ein ein­fa­ches ETF-Depot selbst und nut­zen für einen sepa­ra­ten Betrag eine digi­ta­le Ver­mö­gens­ver­wal­tung.

Ent­schei­dend ist, dass Sie nicht zwei ähn­li­che Port­fo­li­os eröff­nen, ohne den Über­blick zu behal­ten. Legen Sie für jeden Topf einen kla­ren Zweck fest, etwa Alters­vor­sor­ge, mit­tel­fris­ti­ger Ver­mö­gens­auf­bau oder freie Rück­la­gen. Geld, das Sie in den nächs­ten Jah­ren sicher benö­ti­gen, gehört wegen mög­li­cher Kurs­schwan­kun­gen in der Regel nicht voll­stän­dig in Akti­en-ETFs oder ein akti­en­las­ti­ges Robo-Port­fo­lio.

Bevor Sie bei Finanz-Ver­gleich-24 Anbie­ter ver­glei­chen, defi­nie­ren Sie daher erst Spar­ra­te, Lauf­zeit und Risi­ko. Die bes­te Lösung ist nicht die mit den meis­ten Funk­tio­nen, son­dern die, deren Kos­ten Sie ver­ste­hen und deren Stra­te­gie Sie auch dann noch durch­hal­ten, wenn die Bör­se vor­über­ge­hend gegen Sie läuft.