Baufinanzierung einfach erklärt - Guide für Käufer

Bau­fi­nan­zie­rung ein­fach erklärt — Gui­de für Käu­fer

Der Kauf­preis einer Immo­bi­lie ist nur der Anfang. Wer 400.000 Euro für ein Haus ein­plant, muss oft zusätz­lich meh­re­re Zehn­tau­send Euro für Steu­ern, Notar und Grund­buch auf­brin­gen. Die­ser Bau­fi­nan­zie­rung ein­fach erklärt Gui­de zeigt Ihnen, wel­che Zah­len vor der Anfra­ge zäh­len, wie eine Finan­zie­rung funk­tio­niert und wor­auf Sie beim Kon­di­ti­ons­ver­gleich ach­ten soll­ten.

Was eine Bau­fi­nan­zie­rung eigent­lich ist

Eine Bau­fi­nan­zie­rung ist ein lang­fris­ti­ges Dar­le­hen für den Kauf, Bau oder die Moder­ni­sie­rung einer Immo­bi­lie. Die Bank stellt das Geld bereit und erhält im Gegen­zug in der Regel eine Grund­schuld als Sicher­heit im Grund­buch. Kön­nen Kre­dit­neh­mer ihre Raten dau­er­haft nicht zah­len, kann die Bank die Immo­bi­lie ver­wer­ten. Des­halb prüft sie Ein­kom­men, Eigen­ka­pi­tal, lau­fen­de Aus­ga­ben und den Wert des Objekts genau.

In Deutsch­land ist das Annui­tä­ten­dar­le­hen die häu­figs­te Finan­zie­rungs­form. Sie zah­len dabei monat­lich eine gleich­blei­ben­de Rate. Die­se Rate setzt sich aus Zin­sen und Til­gung zusam­men. Am Anfang fließt ein gro­ßer Anteil in die Zin­sen, weil die Rest­schuld noch hoch ist. Mit jeder gezahl­ten Rate sinkt die Rest­schuld, sodass der Til­gungs­an­teil steigt.

Der Ver­trag läuft häu­fig nicht bis zur voll­stän­di­gen Rück­zah­lung. Ver­ein­bart wird zunächst eine Zins­bin­dung, etwa für 10, 15 oder 20 Jah­re. Danach bleibt meist eine Rest­schuld, die über eine Anschluss­fi­nan­zie­rung wei­ter­fi­nan­ziert wird.

Erst Bud­get berech­nen, dann Immo­bi­li­en suchen

Die ent­schei­den­de Fra­ge lau­tet nicht nur: Wie viel Kre­dit gibt mir die Bank? Wich­ti­ger ist: Wel­che Rate passt dau­er­haft zu mei­nem Haus­halt? Rech­nen Sie mit Ihrem tat­säch­li­chen Net­to­ein­kom­men und zie­hen Sie fes­te Kos­ten wie Ver­si­che­run­gen, Mobi­li­tät, Betreu­ung, Unter­halt, bestehen­de Kre­di­te und regel­mä­ßi­ge Spar­be­trä­ge ab.

Pla­nen Sie außer­dem Reser­ven ein. Eigen­tü­mer tra­gen Kos­ten, die Mie­ter nicht direkt tref­fen: Instand­hal­tung, Repa­ra­tu­ren, mög­li­che Son­der­um­la­gen bei einer Eigen­tums­woh­nung sowie höhe­re Aus­ga­ben für Ener­gie oder Grund­be­sitz­ab­ga­ben. Eine Rate, die nur in einem guten Monat funk­tio­niert, ist zu hoch.

Als Ori­en­tie­rung kann eine monat­li­che Kre­dit­ra­te von etwa 30 bis 40 Pro­zent des Haus­halts­net­to­ein­kom­mens pas­sen. Das ist aber kei­ne fes­te Regel. Ein Haus­halt mit siche­rem Ein­kom­men, nied­ri­gen Fix­kos­ten und hohen Rück­la­gen kann mehr Spiel­raum haben. Bei varia­blem Ein­kom­men, Kin­dern oder einem geplan­ten Job­wech­sel ist eine vor­sich­ti­ge­re Rech­nung sinn­voll.

Kauf­ne­ben­kos­ten gehö­ren zum Eigen­ka­pi­tal­be­darf

Zum Kauf­preis kom­men in Deutsch­land Kauf­ne­ben­kos­ten hin­zu. Dazu zäh­len Grund­er­werb­steu­er, Notar- und Grund­buch­kos­ten sowie gege­be­nen­falls eine Mak­ler­pro­vi­si­on. Je nach Bun­des­land und Kauf kann das zusam­men häu­fig rund 8 bis 15 Pro­zent des Kauf­prei­ses aus­ma­chen.

Bei einem Kauf­preis von 350.000 Euro kön­nen also 28.000 bis über 50.000 Euro zusätz­lich fäl­lig wer­den. Die­se Kos­ten soll­ten idea­ler­wei­se aus Eigen­ka­pi­tal bezahlt wer­den. Wer sie mit­fi­nan­ziert, benö­tigt ein höhe­res Dar­le­hen und zahlt meist einen höhe­ren Zins­satz.

Eigen­ka­pi­tal umfasst nicht nur Gut­ha­ben auf dem Tages­geld­kon­to. Auch Wert­pa­pie­re, ein Bau­spar­gut­ha­ben, eine bereits schul­den­freie Immo­bi­lie oder Eigen­leis­tun­gen kön­nen eine Rol­le spie­len. Ban­ken bewer­ten die­se Bestand­tei­le jedoch unter­schied­lich. Eigen­leis­tun­gen wer­den oft nur begrenzt aner­kannt, weil sie Zeit, Fach­kennt­nis und eine rea­lis­ti­sche Pla­nung vor­aus­set­zen.

Bau­fi­nan­zie­rung ein­fach erklärt: Zins, Til­gung und Rate

Die Soll­zin­sen sind der Preis für das gelie­he­ne Geld. Die anfäng­li­che Til­gung bestimmt, wie schnell Sie die Schul­den abbau­en. Bei­de Wer­te erge­ben zusam­men, bezo­gen auf die Dar­le­hens­sum­me, Ihre jähr­li­che Annui­tät.

Ein Bei­spiel: Sie finan­zie­ren 350.000 Euro mit 3,5 Pro­zent Soll­zins und 2 Pro­zent anfäng­li­cher Til­gung. Die jähr­li­che Belas­tung beträgt zunächst 5,5 Pro­zent von 350.000 Euro, also 19.250 Euro. Monat­lich wären das rund 1.604 Euro.

Eine nied­ri­ge Til­gung macht die Anfangs­ra­te zwar güns­ti­ger. Dafür sinkt die Rest­schuld lang­sa­mer und die Finan­zie­rung bleibt län­ger teu­er. Bei 1 Pro­zent Til­gung kann nach Ablauf der Zins­bin­dung noch ein gro­ßer Betrag offen sein. Für vie­le Käu­fer sind 2 bis 3 Pro­zent anfäng­li­che Til­gung ein sinn­vol­ler Aus­gangs­punkt. Je nach Ein­kom­men, Alter und Kauf­preis kann auch mehr erfor­der­lich oder mach­bar sein.

Ach­ten Sie nicht nur auf den Soll­zins. Der effek­ti­ve Jah­res­zins zeigt wei­te­re preis­re­le­van­te Fak­to­ren und eig­net sich bes­ser für den Ver­gleich ähn­li­cher Ange­bo­te. Wenn Dar­le­hens­sum­me, Zins­bin­dung und Til­gung abwei­chen, reicht der Blick auf eine ein­zel­ne Pro­zent­zahl aber nicht aus.

Die rich­ti­ge Zins­bin­dung hängt von Ihrer Pla­nung ab

Bei einer Soll­zins­bin­dung bleibt der ver­ein­bar­te Zins­satz für die­sen Zeit­raum kon­stant. Eine kur­ze Bin­dung kann zunächst güns­ti­ger sein, bringt aber ein höhe­res Risi­ko: Stei­gen die Zin­sen bis zur Anschluss­fi­nan­zie­rung, ver­teu­ert sich die Rest­schuld. Eine lan­ge Bin­dung schafft mehr Pla­nungs­si­cher­heit, kos­tet aber häu­fig einen Zins­auf­schlag.

Für Eigen­nut­zer mit knapp kal­ku­lier­ter Rate kann eine län­ge­re Zins­bin­dung sinn­voll sein. Wer viel tilgt, hohe Rück­la­gen hat oder eine Immo­bi­lie bald wie­der ver­kau­fen möch­te, kann anders ent­schei­den. Prü­fen Sie außer­dem die gesetz­li­che Kün­di­gungs­mög­lich­keit: Nach zehn Jah­ren ab voll­stän­di­ger Aus­zah­lung kann ein Dar­le­hen mit gebun­de­nem Soll­zins unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen mit sechs Mona­ten Frist gekün­digt wer­den.

Ent­schei­dend ist die Rest­schuld am Ende der Zins­bin­dung. Las­sen Sie sich im Til­gungs­plan zei­gen, wel­cher Betrag dann noch offen ist. Rech­nen Sie anschlie­ßend mit einem höhe­ren Zins­satz durch, ob Ihre Rate auch bei einer teu­re­ren Anschluss­fi­nan­zie­rung trag­bar bleibt.

Ange­bo­te nicht nur nach dem nied­rigs­ten Zins aus­wäh­len

Ein Finan­zie­rungs­ver­gleich spart Zeit, wenn die Anga­ben kor­rekt und bei allen Anfra­gen gleich sind. Geben Sie Kauf­preis, Eigen­ka­pi­tal, gewünsch­te Dar­le­hens­sum­me, Haus­halts­da­ten und Objekt­in­for­ma­tio­nen voll­stän­dig an. Erst dann las­sen sich Ange­bo­te sinn­voll gegen­über­stel­len.

Prü­fen Sie neben dem Zins­satz ins­be­son­de­re die­se Ver­trags­be­din­gun­gen:

  • kos­ten­lo­se Son­der­til­gun­gen pro Jahr und deren Höhe
  • mög­li­che Ände­run­gen des Til­gungs­sat­zes wäh­rend der Lauf­zeit
  • Dau­er der Zins­bin­dung und erwar­te­te Rest­schuld danach
  • Bereit­stel­lungs­zin­sen, falls Kauf­preis oder Bau­kos­ten spä­ter abge­ru­fen wer­den
  • Bedin­gun­gen für Teil­aus­zah­lun­gen bei Neu­bau oder Sanie­rung
  • mög­li­che För­der­dar­le­hen und deren Ein­fluss auf die Gesamt­fi­nan­zie­rung

Son­der­til­gun­gen sind beson­ders wert­voll, wenn Sie Bonus­zah­lun­gen, Erb­schaf­ten oder ande­re grö­ße­re Beträ­ge erwar­ten. Ein Til­gungs­satz­wech­sel hilft, wenn sich Ein­kom­men oder Fami­li­en­pla­nung ver­än­dern. Sol­che Optio­nen kön­nen einen mini­mal höhe­ren Zins recht­fer­ti­gen, sofern Sie sie rea­lis­tisch nut­zen kön­nen.

Ver­glei­chen Sie auch die Bank­be­wer­tung des Objekts. Der Belei­hungs­wert kann unter dem Kauf­preis lie­gen. Je höher das Dar­le­hen im Ver­hält­nis zu die­sem Wert aus­fällt, des­to höher kann der Zins wer­den. Mehr Eigen­ka­pi­tal ver­bes­sert daher oft nicht nur die Kre­dit­sum­me, son­dern auch die Kon­di­tio­nen.

So läuft die Finan­zie­rung in der Pra­xis ab

Sam­meln Sie zunächst Ihre Unter­la­gen: Ein­kom­mens­nach­wei­se, Kon­to­aus­zü­ge, Eigen­ka­pi­tal­nach­wei­se, Infor­ma­tio­nen zu bestehen­den Kre­di­ten und bei Ange­stell­ten häu­fig die letz­ten Gehalts­ab­rech­nun­gen. Für die Immo­bi­lie benö­ti­gen Ban­ken meist Expo­sé, Grund­ris­se, Wohn­flä­chen­be­rech­nung, Ener­gie­aus­weis, Kauf­ver­trags­ent­wurf und bei Eigen­tums­woh­nun­gen die Unter­la­gen der Eigen­tü­mer­ge­mein­schaft.

Erstel­len Sie danach eine rea­lis­ti­sche Finan­zie­rungs­struk­tur. Die­se besteht häu­fig aus Eigen­ka­pi­tal, Bank­dar­le­hen und bei pas­sen­der Vor­aus­set­zung aus öffent­li­chen För­der­mit­teln oder einem Bau­spar­ver­trag. Nicht jede För­de­rung passt auto­ma­tisch. Ent­schei­dend sind Nut­zungs­art, Ein­kom­men, ener­ge­ti­scher Zustand und der Zeit­punkt der Antrag­stel­lung.

Holen Sie erst kon­kre­te Kon­di­tio­nen ein, wenn Objekt und Bud­get grund­sätz­lich pas­sen. Eine Kon­di­ti­ons­an­fra­ge dient der Ori­en­tie­rung und soll­te Ihre Boni­tät nicht unnö­tig belas­ten. Vor der Unter­schrift prü­fen Sie Rate, Zins­bin­dung, Til­gung, Son­der­til­gung, Aus­zah­lungs­be­din­gun­gen und alle Kos­ten im Ver­trag. Beim Immo­bi­li­en­kauf ist eine schnel­le Ent­schei­dung manch­mal nötig, eine unkla­re Finan­zie­rung wird dadurch aber nicht bes­ser.

Häu­fi­ge Feh­ler bei der Bau­fi­nan­zie­rung

Der häu­figs­te Feh­ler ist eine Voll­fi­nan­zie­rung ohne aus­rei­chen­de Rück­la­ge. Sie kann funk­tio­nie­ren, kos­tet aber oft mehr und lässt wenig Spiel­raum für Repa­ra­tu­ren oder Ein­kom­mens­aus­fäl­le. Beson­ders ris­kant wird es, wenn sogar die Kauf­ne­ben­kos­ten voll­stän­dig über Kre­dit finan­ziert wer­den.

Eben­so pro­ble­ma­tisch ist die Kon­zen­tra­ti­on auf die Monats­ra­te. Eine sehr nied­ri­ge Rate kann durch eine gerin­ge Til­gung ent­ste­hen und spä­ter eine hohe Rest­schuld hin­ter­las­sen. Rech­nen Sie des­halb immer bis zum Ende der Zins­bin­dung und nicht nur bis zum ers­ten Abbu­chungs­ter­min.

Auch ein zu opti­mis­ti­scher Reno­vie­rungs­plan kann das Bud­get spren­gen. Holen Sie für grö­ße­re Arbei­ten belast­ba­re Kos­ten­schät­zun­gen ein und pla­nen Sie einen Puf­fer. Bei älte­ren Immo­bi­li­en sind Dach, Hei­zung, Fens­ter und ener­ge­ti­sche Maß­nah­men beson­ders rele­vant.

Wie viel Eigen­ka­pi­tal ist sinn­voll?

Als soli­de Ori­en­tie­rung gel­ten die Kauf­ne­ben­kos­ten plus ein zusätz­li­cher Anteil am Kauf­preis. Häu­fig wer­den 20 Pro­zent Eigen­ka­pi­tal genannt. Weni­ger ist mög­lich, wenn Ein­kom­men, Objekt und Boni­tät über­zeu­gen. Mehr Eigen­ka­pi­tal ist nicht auto­ma­tisch opti­mal, wenn danach kei­ne liqui­de Reser­ve für Not­fäl­le bleibt.

Kann ich eine Bau­fi­nan­zie­rung vor­zei­tig ablö­sen?

Das hängt vom Ver­trag ab. Bei einem Ver­kauf kann eine vor­zei­ti­ge Ablö­sung mög­lich sein, die Bank kann aber eine Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung ver­lan­gen. Nach Ablauf von zehn Jah­ren gel­ten für vie­le Dar­le­hen gesetz­li­che Kün­di­gungs­rech­te. Prü­fen Sie den Ein­zel­fall vor einer Ent­schei­dung.

Was pas­siert, wenn die Zin­sen spä­ter stei­gen?

Dann kann die Anschluss­fi­nan­zie­rung teu­rer wer­den. Redu­zie­ren Sie die­ses Risi­ko durch eine aus­rei­chen­de anfäng­li­che Til­gung, Son­der­til­gun­gen, Rück­la­gen und eine Zins­bin­dung, die zu Ihrer Lebens­pla­nung passt.

Ein guter nächs­ter Schritt ist kei­ne vor­schnel­le Kre­dit­an­fra­ge, son­dern eine belast­ba­re Rech­nung: Neben­kos­ten ergän­zen, Haus­halts­ra­te fest­le­gen, Rest­schuld simu­lie­ren und anschlie­ßend pas­sen­de Ange­bo­te mit iden­ti­schen Daten ver­glei­chen. So wird aus einem Immo­bi­li­en­wunsch eine Finan­zie­rung, die auch nach dem Notar­ter­min noch zu Ihrem All­tag passt.