Beispiel Hauskauf Finanzierung planen

Bei­spiel Haus­kauf Finan­zie­rung pla­nen

Wer einen Immo­bi­li­en­preis von 400.000 Euro sieht, rech­net oft zuerst mit der monat­li­chen Rate. Genau dort pas­sie­ren aber vie­le Fehl­ent­schei­dun­gen. Ein gutes bei­spiel haus­kauf finan­zie­rung pla­nen beginnt nicht bei der Wunsch­ra­te, son­dern bei der Gesamt­be­las­tung — also Kauf­preis, Kauf­ne­ben­kos­ten, Eigen­ka­pi­tal, Zins­satz, Til­gung und der Fra­ge, wie viel Puf­fer im All­tag wirk­lich vor­han­den ist.

Für die Pra­xis ist des­halb ein kon­kre­tes Rechen­bei­spiel hilf­rei­cher als jede all­ge­mei­ne Emp­feh­lung. Denn ob eine Finan­zie­rung trag­bar ist, ent­schei­det sich nicht an einer ein­zel­nen Zahl, son­dern am Zusam­men­spiel meh­re­rer Fak­to­ren. Schon 20.000 Euro mehr Eigen­ka­pi­tal oder 0,5 Pro­zent­punk­te mehr Til­gung ver­än­dern die Finan­zie­rung spür­bar.

Bei­spiel Haus­kauf Finan­zie­rung pla­nen: Ein rea­lis­ti­scher Mus­ter­fall

Neh­men wir an, ein Paar möch­te ein Haus in Deutsch­land für 400.000 Euro kau­fen. Zusätz­lich fal­len Kauf­ne­ben­kos­ten an. Je nach Bun­des­land und ohne Mak­ler lie­gen Grund­er­werb­steu­er, Notar und Grund­buch oft grob zwi­schen 8 und 10 Pro­zent. Rech­nen wir kon­ser­va­tiv mit 10 Pro­zent, also 40.000 Euro.

Die Gesamt­kos­ten lie­gen damit bei 440.000 Euro. Das vor­han­de­ne Eigen­ka­pi­tal beträgt 80.000 Euro. Wich­tig ist jetzt die rich­ti­ge Ver­tei­lung: Wer sein gesam­tes Eigen­ka­pi­tal in den Kauf­preis steckt und die Neben­kos­ten finan­ziert, star­tet meist teu­rer. In vie­len Fäl­len ist es sinn­voll, zuerst die Kauf­ne­ben­kos­ten voll­stän­dig aus Eigen­mit­teln zu decken. Vom Eigen­ka­pi­tal blei­ben dann noch 40.000 Euro für den Kauf­preis übrig.

Die benö­tig­te Dar­le­hens­sum­me beträgt also 360.000 Euro. Das ist die Zahl, auf deren Basis Zin­sen, Til­gung und Monats­ra­te berech­net wer­den.

Ange­nom­men, der Soll­zins liegt bei 3,7 Pro­zent und die anfäng­li­che Til­gung bei 2,0 Pro­zent. Dann ergibt sich eine anfäng­li­che Jah­res­ra­te von 5,7 Pro­zent auf die Dar­le­hens­sum­me. Bei 360.000 Euro sind das 20.520 Euro pro Jahr oder rund 1.710 Euro pro Monat.

Auf den ers­ten Blick wirkt das klar. In der Pra­xis fehlt aber oft der zwei­te Schritt: Passt die­se Rate dau­er­haft zum Haus­halts­bud­get? Wer net­to 4.800 Euro im Monat zur Ver­fü­gung hat, muss nicht nur die Rate tra­gen, son­dern auch Rück­la­gen für Instand­hal­tung, lau­fen­de Neben­kos­ten, Ver­si­che­run­gen, Mobi­li­tät und uner­war­te­te Aus­ga­ben ein­pla­nen.

Was die­ses Finan­zie­rungs­bei­spiel wirk­lich aus­sagt

Die Monats­ra­te allein sagt wenig aus, wenn sie nicht in den All­tag ein­ge­ord­net wird. Bei selbst genutz­tem Wohn­ei­gen­tum soll­ten Käu­fer nicht bis zur letz­ten Reser­ve kal­ku­lie­ren. Ein Haus ver­ur­sacht lau­fen­de Kos­ten, die in Miet­woh­nun­gen oft teil­wei­se über den Ver­mie­ter abge­fe­dert wer­den. Dazu gehö­ren Repa­ra­tu­ren, Moder­ni­sie­run­gen und tech­ni­sche Defek­te, die sel­ten zum pas­sen­den Zeit­punkt kom­men.

In unse­rem Bei­spiel wären 1.710 Euro Monats­ra­te nur dann soli­de, wenn nach allen fes­ten Aus­ga­ben noch aus­rei­chend Luft bleibt. Vie­le Haus­hal­te set­zen dafür eine ein­fa­che Regel an: Die gesam­te Wohn­be­las­tung soll­te so lie­gen, dass wei­ter­hin regel­mä­ßig gespart wer­den kann. Wer nach Rate, Neben­kos­ten und Lebens­hal­tung bei null lan­det, finan­ziert zu knapp.

Ein wei­te­rer Punkt ist die Dar­le­hens­hö­he im Ver­hält­nis zum Kauf­preis. Mit 80.000 Euro Eigen­ka­pi­tal bei 440.000 Euro Gesamt­kos­ten liegt die Finan­zie­rung bei rund 82 Pro­zent der Gesamt­kos­ten. Das ist grund­sätz­lich mach­bar, aber nicht Spit­zen­klas­se. Je höher der Fremd­fi­nan­zie­rungs­an­teil, des­to schlech­ter wer­den meist die Zins­kon­di­tio­nen. Genau des­halb lohnt es sich, ver­schie­de­ne Sze­na­ri­en durch­zu­rech­nen.

Was pas­siert mit mehr Eigen­ka­pi­tal?

Steigt das Eigen­ka­pi­tal im Bei­spiel von 80.000 auf 120.000 Euro, blei­ben nach den Neben­kos­ten 80.000 Euro für den Kauf­preis. Das Dar­le­hen sinkt auf 320.000 Euro. Bei glei­chem Zins­satz und glei­cher Til­gung läge die Monats­ra­te dann bei rund 1.520 Euro statt 1.710 Euro.

Der Unter­schied von knapp 190 Euro pro Monat klingt über­schau­bar, sum­miert sich aber erheb­lich. Gleich­zei­tig sinkt die Zins­last über vie­le Jah­re. Noch wich­ti­ger: Mit mehr Eigen­ka­pi­tal ver­bes­sern sich oft auch die Kon­di­tio­nen, weil das Risi­ko für die Bank sinkt.

Was pas­siert mit höhe­rer Til­gung?

Vie­le Käu­fer wäh­len aus Gewohn­heit 2 Pro­zent Til­gung. Das hält die Anfangs­ra­te nied­ri­ger, ver­län­gert aber die Rück­zah­lung deut­lich. Wür­de im Bei­spiel statt 2,0 Pro­zent eine Til­gung von 3,0 Pro­zent gewählt, läge die anfäng­li­che Gesamt­be­las­tung bei 6,7 Pro­zent. Auf 360.000 Euro ent­spricht das rund 2.010 Euro im Monat.

Das ist ein spür­ba­rer Sprung. Gleich­zei­tig wird das Dar­le­hen deut­lich schnel­ler redu­ziert. Wer das Bud­get dafür hat, spart lang­fris­tig Zins­kos­ten und ver­rin­gert das Risi­ko einer hohen Rest­schuld zum Ende der Zins­bin­dung. Genau hier gibt es kein pau­scha­les Rich­tig oder Falsch. Eine höhe­re Til­gung ist sinn­voll, wenn genug Liqui­di­tät bleibt. Wer sich damit im All­tag zu stark ein­schränkt, plant an der Rea­li­tät vor­bei.

Zins­bin­dung rich­tig ein­ord­nen

Ein häu­fi­ger Feh­ler beim Haus­kauf ist die Kon­zen­tra­ti­on auf den nied­rigs­ten Anfangs­zins. Wich­ti­ger ist, wie plan­bar die Finan­zie­rung über Jah­re bleibt. Bei einer Zins­bin­dung von 10 Jah­ren kann die Rate anfangs attrak­tiv aus­se­hen. Läuft die Bin­dung aber in einer Hoch­zins­pha­se aus, wird die Anschluss­fi­nan­zie­rung teu­rer.

Bei 15 oder 20 Jah­ren Zins­bin­dung liegt der Soll­zins meist etwas höher. Dafür wird die Finan­zie­rung bere­chen­ba­rer. Gera­de bei knap­per Kal­ku­la­ti­on kann das sinn­vol­ler sein als der kurz­fris­tig bil­ligs­te Satz. Wer ein bei­spiel haus­kauf finan­zie­rung pla­nen sau­ber durch­geht, soll­te des­halb immer min­des­tens zwei Vari­an­ten ver­glei­chen: eine kür­ze­re Zins­bin­dung mit güns­ti­ge­rem Start­zins und eine län­ge­re Zins­bin­dung mit mehr Sicher­heit.

Im Mus­ter­fall kann eine 15-jäh­ri­ge Bin­dung trotz etwas höhe­rem Zins die bes­se­re Wahl sein, wenn das Haus­halts­ein­kom­men wenig Spiel­raum für spä­te­re Sprün­ge lässt. Anders sieht es aus, wenn in den nächs­ten Jah­ren kla­re Ein­kom­mens­stei­ge­run­gen zu erwar­ten sind und zusätz­lich Son­der­til­gun­gen geplant sind.

Neben­kos­ten und Rück­la­gen wer­den oft unter­schätzt

Beim Immo­bi­li­en­kauf endet die Rech­nung nicht mit dem Notar­ter­min. Nach dem Ein­zug kom­men häu­fig wei­te­re Aus­ga­ben dazu: klei­ne­re Reno­vie­run­gen, Küche, Umzug, Möbel, Gar­ten, Ver­si­che­run­gen oder tech­ni­sche Anpas­sun­gen. Die­se Kos­ten wer­den in Finan­zie­rungs­plä­nen ger­ne ver­drängt, weil sie nicht direkt zur Bank­ra­te gehö­ren.

Genau des­halb ist ein Liqui­di­täts­puf­fer so wich­tig. Wer die kom­plet­te Reser­ve in den Kauf steckt, hat bei der ers­ten grö­ße­ren Aus­ga­be sofort Druck. Sinn­voll ist oft, nicht das gesam­te frei ver­füg­ba­re Ver­mö­gen als Eigen­ka­pi­tal ein­zu­set­zen. Ein Teil soll­te als Sicher­heits­re­ser­ve auf dem Kon­to blei­ben.

Bei Bestands­im­mo­bi­li­en kommt hin­zu, dass die Instand­hal­tung lang­fris­tig Geld kos­tet. Als gro­be Ori­en­tie­rung kal­ku­lie­ren vie­le Eigen­tü­mer einen Betrag pro Qua­drat­me­ter und Jahr oder einen fes­ten monat­li­chen Rück­la­gen­pos­ten. Der exak­te Wert hängt vom Zustand des Hau­ses ab. Ein ener­ge­tisch sanie­rungs­be­dürf­ti­ges Objekt braucht deut­lich mehr Reser­ve als ein Neu­bau oder ein frisch moder­ni­sier­tes Haus.

So prü­fen Sie, ob die Rate wirk­lich trag­bar ist

Eine trag­fä­hi­ge Finan­zie­rung ist nicht die maxi­mal mög­li­che, son­dern die dau­er­haft leist­ba­re. Dafür reicht ein schnel­ler Blick auf das Net­to nicht aus. Ent­schei­dend ist die Haus­halts­rech­nung.

Zie­hen Sie von Ihrem monat­li­chen Net­to­ein­kom­men zunächst alle fes­ten Kos­ten ab. Dazu gehö­ren bestehen­de Kre­di­te, Ver­si­che­run­gen, Unter­halt, Kin­der­be­treu­ung, Mobi­li­tät, Lebens­mit­tel, Frei­zeit und regel­mä­ßi­ge Spar­bei­trä­ge. Rech­nen Sie bei Wohn­ei­gen­tum zusätz­lich mit lau­fen­den Haus­kos­ten und einer monat­li­chen Rück­la­ge. Erst was danach übrig bleibt, ist der rea­lis­ti­sche Spiel­raum für die Kre­dit­ra­te.

Wenn die gewünsch­te Rate nur funk­tio­niert, weil Urlau­be, Auto­re­pa­ra­tu­ren oder Nach­zah­lun­gen igno­riert wer­den, ist die Finan­zie­rung zu knapp kal­ku­liert. Wer dage­gen auch mit kon­ser­va­ti­ven Annah­men noch Reser­ve hat, finan­ziert sta­bi­ler. Genau dafür sind Ver­gleichs­rech­ner sinn­voll: Sie machen Unter­schie­de bei Dar­le­hens­sum­me, Til­gung und Zins­bin­dung schnell sicht­bar und hel­fen, Anbie­ter auf Basis rea­lis­ti­scher Daten zu ver­glei­chen.

Wann das Bei­spiel nicht mehr passt

Nicht jeder Haus­kauf folgt dem Mus­ter. Mit Mak­ler stei­gen die Kauf­ne­ben­kos­ten. Bei varia­blen Ein­kom­men ist die Bank­be­wer­tung oft stren­ger. Bei Sanie­rungs­ob­jek­ten müs­sen Moder­ni­sie­rungs­kos­ten geson­dert ein­ge­plant wer­den. Auch För­der­dar­le­hen, KfW-nahe Bau­stei­ne oder ein Bau­spar­ver­trag kön­nen die Struk­tur ver­än­dern.

Des­halb ist ein Mus­ter immer nur der Start­punkt. Es zeigt, wie die Logik funk­tio­niert, ersetzt aber kei­ne indi­vi­du­el­le Berech­nung. Gera­de bei höhe­ren Kauf­prei­sen oder knap­per Eigen­ka­pi­tal­quo­te lohnt es sich, meh­re­re Finan­zie­rungs­va­ri­an­ten par­al­lel zu rech­nen, statt sich auf das ers­te Bank­an­ge­bot zu ver­las­sen.

Wer schnell Klar­heit will, soll­te nicht fra­gen, wel­che Rate gera­de noch mög­lich ist. Die bes­se­re Fra­ge lau­tet: Wel­che Finan­zie­rung bleibt auch dann trag­bar, wenn Zin­sen, Repa­ra­tu­ren oder Lebens­hal­tungs­kos­ten nicht per­fekt lau­fen? Genau dort trennt sich ein schö­ner Plan von einer belast­ba­ren Ent­schei­dung.