Depot-Apps im Test: Kosten, ETFs und Funktionen

Depot-Apps im Test: Kos­ten, ETFs und Funk­tio­nen

Wer monat­lich 100 Euro in einen ETF inves­tiert, braucht meist kei­ne App mit kom­ple­xen Chart-Werk­zeu­gen. Wer regel­mä­ßig Ein­zel­ak­ti­en han­delt, soll­te dage­gen nicht allein auf den bewor­be­nen Null-Euro-Order­preis schau­en. Bei Depot Apps im Test ent­schei­det nicht ein ein­zel­nes Merk­mal, son­dern die Fra­ge: Passt das Depot zu Ihrem Anla­ge­ver­hal­ten, Ihren Wert­pa­pie­ren und Ihrem Bud­get?

Eine Depot-App kann den Ein­stieg deut­lich ver­ein­fa­chen. Kon­to eröff­nen, iden­ti­fi­zie­ren, Geld ein­zah­len und den ers­ten Spar­plan anle­gen — vie­les funk­tio­niert direkt auf dem Smart­phone. Trotz­dem unter­schei­den sich die Ange­bo­te erheb­lich: bei Order­kos­ten, ETF-Aus­wahl, Han­dels­plät­zen, Funk­tio­nen und beim Umgang mit Steu­ern. Ein struk­tu­rier­ter Ver­gleich ver­hin­dert, dass eine güns­ti­ge Wer­bung spä­ter durch ein­ge­schränk­te Aus­wahl oder Zusatz­kos­ten rela­ti­viert wird.

Depot-Apps im Test: Die­se Kri­te­ri­en zäh­len wirk­lich

Ein sinn­vol­ler Test trennt zwi­schen Kos­ten, Ange­bot und Bedie­nung. Vie­le Nut­zer begin­nen bei der Order­ge­bühr. Das ist nach­voll­zieh­bar, aber zu kurz gedacht. Für lang­fris­ti­ge Anle­ger sind Spar­plan­kon­di­tio­nen und die Aus­wahl pas­sen­der ETFs oft wich­ti­ger als ein beson­ders güns­ti­ger Ein­zel­kauf. Akti­ve Anle­ger ach­ten zusätz­lich auf Spreads, Han­dels­zei­ten und ver­füg­ba­re Bör­sen­plät­ze.

Kos­ten: Nicht nur auf kos­ten­lo­se Orders ach­ten

Eini­ge Anbie­ter wer­ben mit kos­ten­lo­sen Wert­pa­pier­or­ders. Häu­fig gilt das aber nur ab einem bestimm­ten Order­vo­lu­men, nur an einem aus­ge­wähl­ten Han­dels­platz oder nur für bestimm­te Pro­duk­te. Bei klei­ne­ren Käu­fen kön­nen Min­dest­ge­büh­ren anfal­len. Auch Fremd­kos­ten, Abwick­lungs­kos­ten oder Ent­gel­te für tele­fo­ni­sche Auf­trä­ge gehö­ren in den Kos­ten­ver­gleich.

Bei ETF-Spar­plä­nen sind drei Punk­te rele­vant: die Aus­füh­rungs­ge­bühr, die Min­dest­spar­ra­te und die Zahl kos­ten­los bespar­ba­rer ETFs. Eine Spar­plan­ra­te von 25 oder 50 Euro reicht vie­len Ein­stei­gern. Wer fle­xi­bel inves­tie­ren möch­te, soll­te außer­dem prü­fen, ob Raten pau­siert, geän­dert oder ein­ma­lig erhöht wer­den kön­nen.

Ent­schei­dend ist die Gesamt­rech­nung. Wer nur zwei­mal im Jahr kauft, spart durch eine gerin­ge­re Order­ge­bühr deut­lich weni­ger als jemand, der jede Woche han­delt. Umge­kehrt kann ein Depot mit höhe­rer Ein­zelor­der­ge­bühr sinn­voll sein, wenn es den gewünsch­ten Han­dels­platz, bes­se­re Kurs­qua­li­tät oder eine grö­ße­re Pro­dukt­aus­wahl bie­tet.

Aus­wahl: ETFs, Akti­en und Han­dels­plät­ze

Die Anzahl ver­füg­ba­rer Wert­pa­pie­re klingt als Kenn­zahl gut, sagt allein aber wenig aus. Rele­vant ist, ob die Pro­duk­te han­del­bar sind, die Sie tat­säch­lich benö­ti­gen. Für einen breit gestreu­ten Ver­mö­gens­auf­bau genügt vie­len Anle­gern eine Aus­wahl gän­gi­ger Welt-ETFs und ein gut nutz­ba­rer Spar­plan. Wer gezielt Neben­wer­te, Anlei­hen, Fonds oder inter­na­tio­na­le Akti­en han­deln möch­te, braucht meist ein brei­te­res Ange­bot.

Auch der Han­dels­platz beein­flusst den Preis. Man­che App-Depots bün­deln Orders über weni­ge Part­ner­bör­sen oder einen außer­börs­li­chen Han­dels­part­ner. Das kann güns­tig und schnell sein. Gleich­zei­tig soll­ten Sie den ange­zeig­ten Kurs mit einer Refe­renz­bör­se ver­glei­chen, beson­ders bei wenig gehan­del­ten Wert­pa­pie­ren oder außer­halb der übli­chen Bör­sen­zei­ten. Der Spread — also die Dif­fe­renz zwi­schen Kauf- und Ver­kaufs­kurs — ist ein Kos­ten­fak­tor, auch wenn kei­ne Order­pro­vi­si­on berech­net wird.

App-Funk­tio­nen: Ein­fach­heit ohne blin­de Fle­cken

Eine gute Depot-App macht die wich­tigs­ten Auf­ga­ben ohne Umwe­ge mög­lich: Depot eröff­nen, Geld ein­zah­len, Wert­pa­pie­re fin­den, Order­de­tails prü­fen und Spar­plä­ne ver­wal­ten. Ein über­sicht­li­ches Port­fo­lio mit Ein­stands­kur­sen, Ren­di­te­an­zei­ge und Doku­men­ten­ar­chiv hilft im All­tag. Kur­salar­me und Watch­lists sind nütz­lich, aber kein Ersatz für eine eige­ne Anla­ge­ent­schei­dung.

Für man­che Nut­zer sind zusätz­li­che Funk­tio­nen ent­schei­dend. Dazu gehö­ren ver­schie­de­ne Order­ty­pen wie Limit‑, Stop- oder Stop-Limit-Orders, eine ver­läss­li­che Suche über Wert­pa­pier­kenn­num­mer oder ISIN sowie ein Depot­über­trag. Wer bereits Wert­pa­pie­re besitzt, soll­te vor der Eröff­nung prü­fen, ob ein Über­trag mög­lich ist und wie der Anbie­ter mit Bruch­stü­cken aus Spar­plä­nen umgeht.

Wel­ches App-Depot passt zu wel­chem Anle­ger­typ?

Das bes­te Depot gibt es nicht pau­schal. Ein Ver­gleich wird belast­bar, wenn Sie zuerst Ihre Nut­zung fest­le­gen. Drei typi­sche Situa­tio­nen zei­gen die Unter­schie­de.

Für ETF-Spa­rer ste­hen gerin­ge oder kei­ne Spar­plan­kos­ten, eine aus­rei­chen­de ETF-Aus­wahl und eine nied­ri­ge Min­dest­ra­te im Vor­der­grund. Die App soll­te Spar­plä­ne dau­er­haft leicht ver­walt­bar machen. Vie­le Funk­tio­nen für kurz­fris­ti­gen Han­del sind hier zweit­ran­gig.

Gele­gen­heits­käu­fer inves­tie­ren viel­leicht eini­ge Male pro Jahr in Akti­en oder ETFs. Sie pro­fi­tie­ren von trans­pa­ren­ten Ein­zelor­der­kos­ten, einer guten Pro­dukt­su­che und kla­ren Infor­ma­tio­nen zum Han­dels­platz. Eine nied­ri­ge Depot­ge­bühr bleibt wich­tig, doch eine kom­pli­zier­te App kos­tet im Zwei­fel mehr Zeit als ein gerin­ger Preis­un­ter­schied.

Akti­ve Anle­ger benö­ti­gen häu­fig mehr: meh­re­re Han­dels­plät­ze, umfang­rei­che­re Order­ty­pen, ver­läss­li­che Kurs­da­ten und trans­pa­ren­te Spreads. Ein rei­nes Smart­phone-Ange­bot kann dafür zu ein­ge­schränkt sein. In die­sem Fall lohnt sich ein Anbie­ter, der zusätz­lich eine leis­tungs­fä­hi­ge Web­ober­flä­che bereit­stellt.

Wer Deri­va­te, Kryp­to-Wert­pa­pie­re oder hoch­spe­ku­la­ti­ve Pro­duk­te han­deln möch­te, soll­te das Risi­ko nicht mit einer ein­fa­chen Benut­zer­ober­flä­che ver­wech­seln. Die schnel­le Order­aus­füh­rung in der App macht ein Pro­dukt nicht ver­ständ­li­cher oder weni­ger schwan­kungs­an­fäl­lig. Set­zen Sie nur Kapi­tal ein, des­sen Ver­lust Sie finan­zi­ell tra­gen kön­nen.

So ver­glei­chen Sie Depot-Apps prak­tisch

Statt nur Bewer­tun­gen im App-Store zu lesen, hilft ein kur­zer Ver­gleich mit Ihren eige­nen Zah­len. Notie­ren Sie zunächst, wie oft Sie pro Jahr han­deln, wel­che Wert­pa­pie­re Sie kau­fen möch­ten und wel­che Spar­ra­te geplant ist. Dar­aus ergibt sich, wel­che Gebüh­ren über­haupt ins Gewicht fal­len.

Prü­fen Sie danach die Kon­di­tio­nen für zwei kon­kre­te Fäl­le: eine typi­sche Ein­zelor­der und Ihren geplan­ten ETF-Spar­plan. Rech­nen Sie bei der Ein­zelor­der nicht nur mit der Wer­be­aus­sa­ge, son­dern berück­sich­ti­gen Sie Min­des­tor­der­wert, Han­dels­platz und mög­li­che Spreads. Beim Spar­plan ver­glei­chen Sie Kos­ten, ver­füg­ba­re ETFs und Aus­füh­rungs­rhyth­mus.

Anschlie­ßend folgt der Funk­ti­ons­test. Las­sen sich Ein­zah­lun­gen schnell zuord­nen? Wer­den alle Kos­ten vor dem Kauf ange­zeigt? Kön­nen Sie ein Limit set­zen? Fin­den Sie Abrech­nun­gen und Steu­er­do­ku­men­te in der App? Die­se Fra­gen wir­ken banal, wer­den aber rele­vant, sobald das Depot län­ger genutzt wird.

Ein Ver­gleichs­rech­ner kann die Aus­wahl beschleu­ni­gen, indem er Kon­di­tio­nen ver­schie­de­ner Depot­an­bie­ter nach Kos­ten­mo­dell und Funk­tio­nen gegen­über­stellt. Die end­gül­ti­ge Wahl soll­te trotz­dem auf Ihren kon­kre­ten Bedarf pas­sen — nicht auf einen ein­zel­nen Akti­ons­preis.

Sicher­heit, Ein­la­gen­si­che­rung und Steu­ern rich­tig ein­ord­nen

Eine Depot-App ist kein eige­nes Sicher­heits­mo­dell, son­dern der digi­ta­le Zugang zu einem Wert­pa­pier­de­pot. Wert­pa­pie­re im Depot gel­ten grund­sätz­lich als Son­der­ver­mö­gen. Sie gehö­ren also nicht zur Insol­venz­mas­se der Depot­bank. Nicht inves­tier­tes Gut­ha­ben auf dem Ver­rech­nungs­kon­to fällt dage­gen unter die jeweils gel­ten­de gesetz­li­che Ein­la­gen­si­che­rung. Bei aus­län­di­schen Anbie­tern ist ent­schei­dend, wel­ches Land für die Siche­rung zustän­dig ist.

Für den Zugang soll­ten Sie siche­re Pass­wör­ter, Zwei-Fak­tor-Authen­ti­fi­zie­rung und eine Dis­play­sper­re nut­zen. Instal­lie­ren Sie Updates zeit­nah und geben Sie Zugangs­da­ten nie­mals über angeb­li­che Sup­port-Anru­fe oder Nach­rich­ten wei­ter. Gera­de weil der Han­del per App schnell mög­lich ist, kann ein kom­pro­mit­tier­ter Zugang beson­ders ärger­lich wer­den.

Auch die Steu­er­ab­wick­lung ist ein Aus­wahl­kri­te­ri­um. Deut­sche Depot­ban­ken füh­ren Kapi­tal­ertrag­steu­er, Soli­da­ri­täts­zu­schlag und gege­be­nen­falls Kir­chen­steu­er in der Regel auto­ma­tisch ab. Ein Frei­stel­lungs­auf­trag kann direkt beim Anbie­ter hin­ter­legt wer­den. Bei Depots im Aus­land kann zusätz­li­cher Auf­wand für die Steu­er­erklä­rung ent­ste­hen. Das muss kein Aus­schluss­grund sein, soll­te aber vor­ab klar sein.

Häu­fi­ge Feh­ler bei der Aus­wahl ver­mei­den

Der häu­figs­te Feh­ler ist, nur auf die bewor­be­ne Gra­tis-Order zu schau­en. Güns­tig ist ein Depot erst, wenn Kos­ten, Spread und Pro­dukt­aus­wahl zusam­men­pas­sen. Eben­so pro­ble­ma­tisch ist ein Depot, das nur für den ers­ten ETF-Spar­plan gewählt wird, obwohl spä­ter auch Akti­en, meh­re­re ETFs oder ein Depot­über­trag geplant sind.

Ein wei­te­rer Feh­ler: Anle­ger eröff­nen meh­re­re Apps, ohne den Über­blick über Frei­stel­lungs­auf­trä­ge, Abrech­nun­gen und Port­fo­lio­auf­tei­lung zu behal­ten. Zwei Depots kön­nen sinn­voll sein, etwa für unter­schied­li­che Han­dels­be­dürf­nis­se. Meh­re­re Depots allein wegen kurz­fris­ti­ger Aktio­nen machen die Ver­wal­tung aber unnö­tig auf­wen­di­ger.

Neh­men Sie sich vor der Eröff­nung zehn Minu­ten für Ihren per­sön­li­chen Kos­ten- und Funk­ti­ons­check. Wenn Spar­plan, Han­dels­platz, Steu­er­ab­wick­lung und Bedie­nung zu Ihrer tat­säch­li­chen Nut­zung pas­sen, wird aus einer gut bewor­be­nen App ein Depot, das auch nach dem ers­ten Kauf prak­tisch bleibt.