Finanzierungsrechner beim Hauskauf richtig nutzen

Finan­zie­rungs­rech­ner beim Haus­kauf rich­tig nut­zen

Die Wunschim­mo­bi­lie kos­tet 420.000 Euro, die ange­zeig­te Monats­ra­te wirkt mach­bar — und trotz­dem kann die Finan­zie­rung zu eng sein. Der Kauf­preis ist nur ein Teil der Rech­nung. Wer einen Finan­zie­rungs­rech­ner für den Haus­kauf nut­zen möch­te, soll­te des­halb nicht nur nach der nied­rigs­ten Rate suchen, son­dern die gesam­te Belas­tung inklu­si­ve Kauf­ne­ben­kos­ten, Eigen­ka­pi­tal und finan­zi­el­ler Reser­ve prü­fen.

Ein Rech­ner ersetzt kei­ne ver­bind­li­che Kre­dit­zu­sa­ge. Er lie­fert aber schnell eine belast­ba­re ers­te Ori­en­tie­rung: Wel­cher Kauf­preis passt zum Bud­get? Wie hoch fällt die Rate bei ver­schie­de­nen Zin­sen aus? Und wel­che Rest­schuld bleibt nach Ablauf der Zins­bin­dung? Mit rea­lis­ti­schen Ein­ga­ben wird aus einer gro­ben Idee eine nach­voll­zieh­ba­re Ent­schei­dungs­grund­la­ge für den Ange­bots­ver­gleich.

Finan­zie­rungs­rech­ner beim Haus­kauf nut­zen: Die rich­ti­gen Wer­te ein­ge­ben

Ein gutes Ergeb­nis beginnt nicht beim Zins­satz, son­dern bei den voll­stän­di­gen Kos­ten. Vie­le Inter­es­sen­ten tra­gen zunächst nur Kauf­preis und ver­füg­ba­res Eigen­ka­pi­tal ein. Das kann die mög­li­che Finan­zie­rung deut­lich zu posi­tiv dar­stel­len, denn beim Immo­bi­li­en­kauf kom­men Kauf­ne­ben­kos­ten hin­zu.

Dazu gehö­ren Grund­er­werb­steu­er, Notar- und Grund­buch­kos­ten sowie gege­be­nen­falls die Mak­ler­pro­vi­si­on. Je nach Bun­des­land und Kauf­kon­stel­la­ti­on kön­nen die­se Kos­ten ins­ge­samt einen hohen fünf­stel­li­gen Betrag aus­ma­chen. Sie soll­ten mög­lichst aus Eigen­mit­teln bezahlt wer­den. Wer­den sie mit­fi­nan­ziert, steigt der Dar­le­hens­be­darf — und Ban­ken ver­lan­gen dafür häu­fig einen höhe­ren Zins.

Tra­gen Sie des­halb den Kauf­preis, die Neben­kos­ten und das tat­säch­lich ver­füg­ba­re Eigen­ka­pi­tal getrennt ein. Zum Eigen­ka­pi­tal zäh­len Spar­gut­ha­ben, Wert­pa­pie­re oder ein Bau­spar­gut­ha­ben, sofern die­se Mit­tel wirk­lich für den Kauf ein­ge­setzt wer­den sol­len. Nicht voll­stän­dig ein­rech­nen soll­ten Sie Geld für den Umzug, not­wen­di­ge Reno­vie­run­gen oder den per­sön­li­chen Not­gro­schen. Wer nach dem Kauf kein frei ver­füg­ba­res Pols­ter mehr hat, kann bei einer kaput­ten Hei­zung oder Ein­kom­mens­aus­fäl­len schnell unter Druck gera­ten.

Aus die­sen Anga­ben ergibt sich der Finan­zie­rungs­be­darf. Bei­spiel: Bei 400.000 Euro Kauf­preis und 45.000 Euro Kauf­ne­ben­kos­ten benö­ti­gen Käu­fer ins­ge­samt 445.000 Euro. Set­zen sie 100.000 Euro Eigen­ka­pi­tal ein, beträgt das Dar­le­hen 345.000 Euro. Wer­den nur 60.000 Euro ein­ge­bracht, weil 40.000 Euro als Reser­ve blei­ben sol­len, steigt der Kre­dit auf 385.000 Euro. Das kann sinn­voll sein, wenn die Reser­ve not­wen­dig ist — ver­än­dert aber Rate, Zins und Gesamt­kos­ten.

Rate nicht iso­liert betrach­ten

Die monat­li­che Rate besteht bei einem klas­si­schen Annui­tä­ten­dar­le­hen aus Zins und Til­gung. Beson­ders ent­schei­dend sind der Soll­zins und die anfäng­li­che Til­gung. Ein nied­ri­ger Til­gungs­satz redu­ziert zwar die Rate, lässt aber eine höhe­re Rest­schuld zurück. Das kann spä­ter teu­er wer­den, wenn die Anschluss­fi­nan­zie­rung zu höhe­ren Zin­sen abge­schlos­sen wer­den muss.

Bei einem Dar­le­hen von 350.000 Euro mit 3,5 Pro­zent Soll­zins und 2 Pro­zent anfäng­li­cher Til­gung liegt die anfäng­li­che Jah­res­ra­te bei 19.250 Euro, also bei rund 1.604 Euro monat­lich. Mit 3 Pro­zent Til­gung steigt sie auf rund 1.896 Euro monat­lich. Die Mehr­be­las­tung ist spür­bar, die Schuld sinkt jedoch deut­lich schnel­ler.

Wel­che Til­gung passt, hängt vom Haus­halt ab. Für vie­le Käu­fer ist eine anfäng­li­che Til­gung von min­des­tens 2 Pro­zent ein sinn­vol­ler Aus­gangs­punkt. Wer es dau­er­haft tra­gen kann, soll­te Vari­an­ten mit 2,5 oder 3 Pro­zent durch­rech­nen. Ent­schei­dend ist nicht, die gerings­te Monats­ra­te zu errei­chen. Ent­schei­dend ist eine Rate, die auch bei stei­gen­den Lebens­hal­tungs­kos­ten noch ver­läss­lich bezahlt wer­den kann.

Haus­halts­bud­get vor der maxi­ma­len Kre­dit­sum­me prü­fen

Ein Finan­zie­rungs­rech­ner zeigt, was rech­ne­risch mög­lich ist. Ob die Rate im All­tag sinn­voll ist, zeigt erst die Haus­halts­rech­nung. Stel­len Sie dem regel­mä­ßi­gen Net­to­ein­kom­men alle fes­ten und varia­blen Aus­ga­ben gegen­über: Lebens­hal­tung, Mobi­li­tät, Ver­si­che­run­gen, Kin­der­be­treu­ung, Rück­la­gen, bestehen­de Kre­di­te und Frei­zeit­kos­ten.

Bei einer selbst genutz­ten Immo­bi­lie ent­fal­len zwar künf­tig Miet­zah­lun­gen, dafür ent­ste­hen neue lau­fen­de Kos­ten. Dazu zäh­len Grund­steu­er, Gebäu­de­ver­si­che­rung, Strom, Hei­zung, Was­ser, Müll­ab­fuhr und Instand­hal­tung. Gera­de bei älte­ren Häu­sern kön­nen Sanie­run­gen das Bud­get stark belas­ten. Eine nied­ri­ge Kre­dit­ra­te ist daher kein Frei­fahrt­schein für einen hohen Kauf­preis.

Prak­tisch ist es, mit einer per­sön­li­chen Ober­gren­ze zu arbei­ten. Las­sen Sie nach allen Wohn­kos­ten monat­lich genug Spiel­raum für Rück­la­gen und Unvor­her­ge­se­he­nes. Pau­scha­le Regeln hel­fen nur begrenzt, weil Ein­kom­men, Haus­halts­grö­ße und Sicher­heit im Beruf sehr unter­schied­lich sind. Ein Haus­halt mit zwei unbe­fris­te­ten Ein­kom­men kann anders pla­nen als Selbst­stän­di­ge oder Fami­li­en, die in den nächs­ten Jah­ren Eltern­zeit erwar­ten.

Rech­nen Sie außer­dem mit einem Stress­sze­na­rio. Prü­fen Sie, wie sich die Rate ver­än­dert, wenn der Soll­zins um einen oder zwei Pro­zent­punk­te höher liegt. Tes­ten Sie auch, ob das Bud­get bei weni­ger Ein­kom­men oder zusätz­li­chen Aus­ga­ben noch funk­tio­niert. Die­se Vari­an­ten dau­ern im Rech­ner nur weni­ge Minu­ten und ver­hin­dern, dass eine Finan­zie­rung allein auf Best­be­din­gun­gen basiert.

Zins­bin­dung und Rest­schuld gemein­sam berech­nen

Die Zins­bin­dung legt fest, wie lan­ge der ver­ein­bar­te Soll­zins gilt. Häu­fig wer­den zehn, 15 oder 20 Jah­re gewählt. Eine kur­ze Zins­bin­dung kann zunächst güns­ti­ger sein, bringt aber frü­her das Risi­ko einer Anschluss­fi­nan­zie­rung. Eine län­ge­re Bin­dung schafft mehr Kal­ku­la­ti­ons­si­cher­heit, kos­tet jedoch oft einen Zins­auf­schlag.

Wich­tig ist die Rest­schuld am Ende der Zins­bin­dung. Sie zeigt, wel­cher Betrag spä­ter noch finan­ziert wer­den muss. Wer bei der Ein­ga­be nur auf die anfäng­li­che Rate schaut, über­sieht die­sen Punkt leicht. Ver­glei­chen Sie daher meh­re­re Kom­bi­na­tio­nen aus Zins­bin­dung und Til­gung. Eine etwas höhe­re Rate kann sich loh­nen, wenn sie die Rest­schuld deut­lich redu­ziert und die Anschluss­fi­nan­zie­rung über­schau­ba­rer macht.

Ach­ten Sie auch auf Optio­nen für Son­der­til­gun­gen und Til­gungs­satz­wech­sel. Son­der­til­gun­gen geben Fle­xi­bi­li­tät, wenn etwa eine Bonus­zah­lung, Erb­schaft oder Aus­zah­lung aus einem Ver­trag ver­füg­bar wird. Ein Til­gungs­satz­wech­sel kann hel­fen, wenn sich das Ein­kom­men ver­än­dert. Die­se Rech­te sind nicht bei jedem Ange­bot iden­tisch und kön­nen den lang­fris­ti­gen Wert einer Finan­zie­rung erhö­hen.

Ange­bo­te anhand des Effek­tiv­zin­ses ver­glei­chen

Nach­dem der Rech­ner den Dar­le­hens­be­darf und eine trag­fä­hi­ge Rate ein­ge­grenzt hat, beginnt der Ange­bots­ver­gleich. Ver­glei­chen Sie nicht allein den bewor­be­nen Soll­zins. Der Effek­tiv­zins berück­sich­tigt zusätz­li­che preis­re­le­van­te Kos­ten und macht unter­schied­li­che Kre­dit­an­ge­bo­te bes­ser ver­gleich­bar.

Ach­ten Sie dar­auf, für alle Vari­an­ten mög­lichst die­sel­ben Eck­da­ten zu ver­wen­den: Dar­le­hens­sum­me, Zins­bin­dung, Til­gung, Aus­zah­lungs­ter­min und Belei­hungs­aus­lauf. Letz­te­rer beschreibt ver­ein­facht das Ver­hält­nis von Dar­le­hen zum Immo­bi­li­en­wert. Mehr Eigen­ka­pi­tal ver­bes­sert häu­fig die Kon­di­tio­nen, weil das Risi­ko für die Bank sinkt.

Neben dem Zins zäh­len die Ver­trags­de­tails. Gibt es kos­ten­lo­se Son­der­til­gun­gen? Ist ein Til­gungs­satz­wech­sel mög­lich? Wie hoch ist die Rate nach einer Anpas­sung? Fal­len Bereit­stel­lungs­zin­sen an, wenn sich der Bau oder die Kauf­ab­wick­lung ver­zö­gert? Ein Ange­bot mit mini­mal nied­ri­ge­rem Zins muss nicht auto­ma­tisch die bes­se­re Wahl sein, wenn es kaum Fle­xi­bi­li­tät bie­tet.

Typi­sche Feh­ler beim Finan­zie­rungs­rech­ner ver­mei­den

Ein Rech­ner ist nur so gut wie die Daten, die ein­ge­ge­ben wer­den. Vier Feh­ler füh­ren beson­ders häu­fig zu unrea­lis­ti­schen Ergeb­nis­sen:

  • Kauf­ne­ben­kos­ten wer­den unter­schätzt oder kom­plett ver­ges­sen.
  • Das gesam­te Erspar­te fließt in den Kauf, ohne Reser­ve für Repa­ra­tu­ren und Umzug.
  • Die Rate wird an der heu­ti­gen Mie­te statt am gesam­ten künf­ti­gen Haus­halts­bud­get gemes­sen.
  • Die Rest­schuld nach der Zins­bin­dung bleibt unbe­ach­tet.

Auch ein zu opti­mis­ti­scher Immo­bi­li­en­wert kann pro­ble­ma­tisch sein. Die Bank bewer­tet das Objekt nach eige­nen Kri­te­ri­en und finan­ziert nicht auto­ma­tisch den vol­len Kauf­preis. Bei sanie­rungs­be­dürf­ti­gen Häu­sern soll­ten zusätz­lich kon­kre­te Moder­ni­sie­rungs­kos­ten ein­ge­plant wer­den. Ein Ener­gie­aus­weis oder eine Besich­ti­gung erset­zen kei­ne fach­li­che Kos­ten­schät­zung, kön­nen aber ers­te Hin­wei­se auf mög­li­che Maß­nah­men lie­fern.

Ergeb­nis­se als Ent­schei­dungs­grund­la­ge ver­wen­den

Nut­zen Sie den Finan­zie­rungs­rech­ner zunächst für drei bis fünf rea­lis­ti­sche Sze­na­ri­en statt für eine ein­zi­ge Wunsch­rech­nung. Vari­ie­ren Sie Kauf­preis, Eigen­ka­pi­tal­ein­satz, Til­gung und Zins­bin­dung. So erken­nen Sie schnell, wo Ihre per­sön­li­che Kom­fort­zo­ne liegt und ab wel­chem Kauf­preis die Rate zu knapp wird.

Mit die­sen Wer­ten kön­nen Sie Finan­zie­rungs­an­ge­bo­te geziel­ter ver­glei­chen und Gesprä­che mit Ban­ken oder Ver­mitt­lern bes­ser ein­ord­nen. Prü­fen Sie vor einer Unter­schrift immer die ver­bind­li­chen Kon­di­tio­nen und las­sen Sie offe­ne Ver­trags­fra­gen klä­ren. Eine Immo­bi­lie soll­te nicht nur heu­te finan­zier­bar sein, son­dern auch dann noch zum Leben pas­sen, wenn der Rech­ner kei­ne Ide­al­wer­te mehr aus­spuckt.