Robo Advisor versus ETF Depot im Vergleich

Robo Advi­sor ver­sus ETF Depot im Ver­gleich

Wer monat­lich 200 Euro lang­fris­tig anle­gen möch­te, steht schnell vor einer prak­ti­schen Ent­schei­dung: selbst ETFs kau­fen oder die Geld­an­la­ge einem digi­ta­len Ver­mö­gens­ver­wal­ter über­las­sen? Bei Robo Advi­sor ver­sus ETF Depot geht es nicht um rich­tig oder falsch. Ent­schei­dend sind Ihr Zeit­auf­wand, Ihr Wunsch nach Kon­trol­le und die Kos­ten, die über vie­le Jah­re Ren­di­te beein­flus­sen kön­nen.

Ein Robo-Advi­sor nimmt Ihnen Anla­ge­ent­schei­dun­gen weit­ge­hend ab. Im ETF-Depot bestim­men Sie dage­gen selbst, wel­che ETFs Sie kau­fen, wie Sie Ihr Port­fo­lio auf­tei­len und wann Sie Anpas­sun­gen vor­neh­men. Bei­de Wege ermög­li­chen einen breit gestreu­ten Ver­mö­gens­auf­bau. Der Unter­schied liegt vor allem dar­in, wer die Arbeit erle­digt und was die­se Unter­stüt­zung kos­tet.

Robo Advi­sor ver­sus ETF Depot: Der direk­te Unter­schied

Ein Robo-Advi­sor ist ein digi­ta­ler Ver­mö­gens­ver­wal­ter. Zu Beginn beant­wor­ten Sie Fra­gen zu Anla­ge­ziel, Lauf­zeit, finan­zi­el­ler Situa­ti­on und Risi­ko­be­reit­schaft. Dar­aus erstellt der Anbie­ter einen Anla­ge­vor­schlag, häu­fig mit ETFs oder Index­fonds. Nach Ihrer Ein­zah­lung wird das Geld ent­spre­chend die­ser Stra­te­gie inves­tiert und lau­fend über­wacht.

Ein ETF-Depot ist zunächst nur die tech­ni­sche Grund­la­ge für den Wert­pa­pier­han­del. Sie eröff­nen ein Depot bei einer Bank oder einem Online-Bro­ker und wäh­len Ihre Wert­pa­pie­re selbst aus. Für einen ein­fa­chen Start kann das ein welt­weit streu­en­der Akti­en-ETF sein. Sie kön­nen aber auch Akti­en, Anlei­hen-ETFs, The­men-ETFs oder meh­re­re Regio­nen kom­bi­nie­ren. Die Aus­wahl und Ver­ant­wor­tung lie­gen bei Ihnen.

| Merk­mal | Robo-Advi­sor | ETF-Depot | |—|—|—| | Anla­ge­aus­wahl | Anbie­ter schlägt Stra­te­gie vor | Sie wäh­len Wert­pa­pie­re selbst | | Ein­rich­tung | Risi­ko­fra­gen, Ver­trag, Ein­zah­lung | Depot eröff­nen, ETF aus­wäh­len, Spar­plan anle­gen | | Lau­fen­de Anpas­sung | Meist auto­ma­ti­siert | Sie ent­schei­den selbst | | Kon­trol­le | Eher begrenzt | Sehr hoch | | Kos­ten­struk­tur | Ver­wal­tungs­ge­bühr plus Fonds­kos­ten | Depot- und Order­kos­ten plus Fonds­kos­ten | | Geeig­net für | Anle­ger mit wenig Zeit oder wenig Erfah­rung | Selbst­ent­schei­der mit Inter­es­se an ETFs |

Die Tabel­le zeigt die Grund­lo­gik. In der Pra­xis unter­schei­den sich die Ange­bo­te jedoch deut­lich. Nicht jeder Robo-Advi­sor inves­tiert aus­schließ­lich in güns­ti­ge ETFs, und nicht jedes ETF-Depot ist auto­ma­tisch preis­wert. Ver­glei­chen Sie des­halb immer die kon­kre­ten Kon­di­tio­nen und die tat­säch­li­che Anla­ge­stra­te­gie.

Kos­ten: Klei­ne Pro­zent­wer­te, gro­ße Wir­kung

Kos­ten sind bei einer lang­fris­ti­gen Geld­an­la­ge beson­ders rele­vant, weil sie jedes Jahr erneut vom Anla­ge­ver­mö­gen abge­hen. Beim Robo-Advi­sor fällt in der Regel eine Ser­vice- oder Ver­wal­tungs­ge­bühr an. Je nach Anbie­ter und Anla­ge­sum­me kann die­se bei­spiels­wei­se bei rund 0,25 bis 1,0 Pro­zent pro Jahr lie­gen. Hin­zu kom­men die lau­fen­den Kos­ten der ver­wen­de­ten ETFs oder Fonds.

Bei einem selbst geführ­ten ETF-Depot zah­len Sie nor­ma­ler­wei­se kei­ne Ver­mö­gens­ver­wal­tung. Statt­des­sen kön­nen Depot­ge­büh­ren, Aus­füh­rungs­kos­ten für ETF-Spar­plä­ne, Order­ge­büh­ren beim Ein­mal­kauf sowie Geld-Brief-Spreads ent­ste­hen. Vie­le Online-Bro­ker bie­ten kos­ten­lo­se oder güns­ti­ge Spar­plä­ne an. Die lau­fen­den ETF-Kos­ten blei­ben aber auch hier bestehen.

Ein Bei­spiel ver­deut­licht den Unter­schied: Zah­len Sie für einen Robo-Advi­sor inklu­si­ve Pro­dukt­kos­ten jähr­lich 0,8 Pro­zent und für ein selbst auf­ge­bau­tes ETF-Port­fo­lio 0,2 Pro­zent, beträgt die Dif­fe­renz 0,6 Pro­zent­punk­te pro Jahr. Das wirkt zunächst über­schau­bar. Über 20 oder 30 Jah­re und bei wach­sen­den Ein­zah­lun­gen kann dar­aus ein spür­ba­rer Betrag wer­den.

Nied­ri­ge Kos­ten allein rei­chen trotz­dem nicht als Ent­schei­dungs­kri­te­ri­um. Wer im ETF-Depot stän­dig die Stra­te­gie ändert, bei fal­len­den Kur­sen ver­kauft oder zu vie­le teu­re Ein­zel­käu­fe aus­führt, kann den Kos­ten­vor­teil leicht wie­der ver­lie­ren. Ein etwas teu­re­rer Robo-Advi­sor kann sinn­voll sein, wenn sei­ne fes­te Struk­tur Sie davon abhält, impul­siv zu han­deln.

Auf­wand und Wis­sen rea­lis­tisch ein­schät­zen

Ein ETF-Depot ist kei­ne kom­pli­zier­te Lösung, ver­langt aber Eigen­in­itia­ti­ve. Sie soll­ten zumin­dest ver­ste­hen, was ein ETF abbil­det, war­um brei­te Streu­ung wich­tig ist und wes­halb Kurs­schwan­kun­gen dazu­ge­hö­ren. Außer­dem ent­schei­den Sie über die Akti­en­quo­te, die Aus­wahl ein­zel­ner ETFs und die Fra­ge, ob Ihr Port­fo­lio spä­ter ange­passt wer­den soll.

Für vie­le lang­fris­ti­ge Anle­ger ist der lau­fen­de Auf­wand über­schau­bar. Ein Spar­plan auf einen breit gestreu­ten ETF kann nach der Ein­rich­tung weit­ge­hend auto­ma­tisch lau­fen. Den­noch blei­ben Ent­schei­dun­gen: Passt die Risi­ko­stu­fe noch zu Ihrer Lebens­si­tua­ti­on? Soll eine Ein­mal­an­la­ge inves­tiert wer­den? Möch­ten Sie bei stei­gen­den Ein­kom­men die Spar­ra­te erhö­hen?

Der Robo-Advi­sor redu­ziert die­se Auf­ga­ben. Das kann beson­ders hilf­reich sein, wenn Sie zwar regel­mä­ßig inves­tie­ren möch­ten, aber kei­ne Zeit oder kein Inter­es­se an Pro­dukt­aus­wahl und Reba­lan­cing haben. Reba­lan­cing bedeu­tet, dass die ursprüng­li­che Gewich­tung zwi­schen Anla­ge­klas­sen wie­der­her­ge­stellt wird. Stei­gen Akti­en stark, kann ihr Anteil im Port­fo­lio grö­ßer wer­den als geplant. Der Robo-Advi­sor gleicht dies je nach Kon­zept auto­ma­tisch aus.

Sie soll­ten auch bei einem Robo-Advi­sor nicht völ­lig pas­siv blei­ben. Prü­fen Sie regel­mä­ßig, ob Anla­ge­ziel, Lauf­zeit und Risi­ko­pro­fil noch pas­sen. Eine Geld­an­la­ge für die Alters­vor­sor­ge wird anders auf­ge­baut als Kapi­tal, das in fünf Jah­ren für eine Immo­bi­lie benö­tigt wird. Kurz­fris­tig benö­tig­tes Geld gehört grund­sätz­lich nicht in schwan­kungs­an­fäl­li­ge Akti­en-ETFs.

Kon­trol­le oder Kom­fort: Was passt bes­ser?

Im ETF-Depot behal­ten Sie die vol­le Kon­trol­le. Sie sehen jede Posi­ti­on, kön­nen einen ETF aus­tau­schen, die Spar­ra­te ver­än­dern oder zusätz­lich inves­tie­ren. Das ist ein Vor­teil, wenn Sie bewusst eine eige­ne Stra­te­gie ver­fol­gen. Es kann aber auch zu unnö­ti­ger Akti­vi­tät ver­lei­ten. Gera­de bei Bör­sen­rück­gän­gen ist Geduld oft wich­ti­ger als ein schnel­ler Ver­kauf.

Beim Robo-Advi­sor geben Sie einen Teil der Kon­trol­le ab. Die kon­kre­te Gewich­tung, die Aus­wahl der Pro­duk­te und die Umschich­tun­gen fol­gen der Anla­ge­stra­te­gie des Anbie­ters. Man­che Anle­ger emp­fin­den das als Ent­las­tung, ande­re möch­ten nach­voll­zie­hen und selbst bestim­men, wohin jeder Euro fließt.

Ach­ten Sie auf die Umset­zung des jewei­li­gen Ange­bots. Eini­ge Robo-Advi­sor set­zen auf klas­si­sche ETF-Port­fo­li­os, ande­re nut­zen auch akti­ve Fonds, nach­hal­ti­ge Anla­ge­schwer­punk­te oder bestimm­te Risi­ko­kon­zep­te. Fra­gen Sie nicht nur nach der erwar­te­ten Ren­di­te. Prü­fen Sie, in wel­che Anla­ge­klas­sen inves­tiert wird, wie hoch die Akti­en­quo­te sein kann und ob Sie die Stra­te­gie spä­ter unkom­pli­ziert ändern kön­nen.

Steu­ern und Sicher­heit: Was Anle­ger wis­sen soll­ten

Steu­er­lich sind Robo-Advi­sor und ETF-Depot grund­sätz­lich ähn­lich zu behan­deln. Kapi­tal­erträ­ge unter­lie­gen in Deutsch­land in der Regel der Abgel­tung­s­teu­er. Bei deut­schen Anbie­tern wird die Steu­er häu­fig auto­ma­tisch abge­führt, sofern ein Frei­stel­lungs­auf­trag ein­ge­rich­tet ist und kei­ne Beson­der­hei­ten vor­lie­gen. Bei ETFs kön­nen zudem Teil­frei­stel­lun­gen und die Vor­ab­pau­scha­le eine Rol­le spie­len.

Ein Vor­teil vie­ler deut­scher Robo-Advi­sor und Bro­ker besteht dar­in, dass die steu­er­li­che Abwick­lung ein­fa­cher wird. Wer ein Depot bei einem aus­län­di­schen Anbie­ter führt, muss Erträ­ge gege­be­nen­falls selbst in der Steu­er­erklä­rung ange­ben. Prü­fen Sie des­halb vor der Eröff­nung, wie der Anbie­ter mit Steu­ern umgeht.

Wich­tig ist außer­dem die Tren­nung zwi­schen Depot und Bank­gut­ha­ben. Wert­pa­pie­re wie ETFs gel­ten in der Regel als Son­der­ver­mö­gen und gehö­ren nicht zur Insol­venz­mas­se der depot­füh­ren­den Bank. Nicht inves­tier­tes Gut­ha­ben auf dem Ver­rech­nungs­kon­to unter­liegt dage­gen den Regeln der gesetz­li­chen Ein­la­gen­si­che­rung. Die­se Punk­te erset­zen kei­ne Prü­fung des ein­zel­nen Anbie­ters, hel­fen aber bei der Ein­ord­nung.

Für wel­che Anle­ger ist ein Robo-Advi­sor sinn­voll?

Ein Robo-Advi­sor kann pas­sen, wenn Sie lang­fris­tig inves­tie­ren wol­len, aber Anla­ge­ent­schei­dun­gen mög­lichst ein­fach hal­ten möch­ten. Das gilt etwa für Berufs­tä­ti­ge, die einen fes­ten monat­li­chen Betrag anle­gen möch­ten und kei­ne Zeit in ETF-Aus­wahl, Umschich­tun­gen oder Port­fo­lio­auf­tei­lung inves­tie­ren wol­len. Auch Anle­ger, die zu emo­tio­na­len Reak­tio­nen auf Kurs­schwan­kun­gen nei­gen, pro­fi­tie­ren mög­li­cher­wei­se von einem kla­ren, auto­ma­ti­sier­ten Rah­men.

Ein ETF-Depot ist oft die pas­sen­de­re Wahl, wenn Sie Kos­ten bewusst nied­rig hal­ten, sich mit den Grund­la­gen beschäf­ti­gen möch­ten und eine ein­fa­che Stra­te­gie kon­se­quent selbst umset­zen kön­nen. Sie brau­chen dafür kein täg­li­ches Bör­sen­wis­sen. Wer einen ver­ständ­li­chen Plan ver­folgt und den Spar­plan lang­fris­tig lau­fen lässt, kann den Ver­wal­tungs­auf­wand begren­zen.

Eine Zwi­schen­lö­sung ist eben­falls mög­lich: Sie füh­ren ein eige­nes ETF-Depot für den lang­fris­ti­gen Ver­mö­gens­auf­bau und nut­zen einen Robo-Advi­sor nur für einen sepa­ra­ten Teil­be­trag. Sinn­voll ist das aller­dings nur, wenn Sie dadurch nicht den Über­blick ver­lie­ren und die dop­pel­te Struk­tur einen kla­ren Zweck erfüllt.

So tref­fen Sie die Wahl

Begin­nen Sie nicht mit dem Anbie­ter, son­dern mit drei Fra­gen: Wie lan­ge kann das Geld inves­tiert blei­ben? Wie stark dür­fen die Kur­se zwi­schen­zeit­lich schwan­ken? Und möch­ten Sie die Anla­ge selbst steu­ern oder bewusst abge­ben? Erst danach lohnt sich der Ver­gleich von Kos­ten, Min­dest­an­la­ge, Spar­plan­mög­lich­kei­ten, Anla­ge­stra­te­gien und steu­er­li­cher Abwick­lung.

Wenn Sie sich für ein ETF-Depot ent­schei­den, hal­ten Sie die Stra­te­gie zunächst ein­fach und rich­ten Sie einen Spar­plan in einer Höhe ein, die dau­er­haft zu Ihrem Bud­get passt. Wenn Kom­fort und auto­ma­ti­sche Betreu­ung für Sie wich­ti­ger sind, ver­glei­chen Sie Robo-Advi­sor anhand der Gesamt­kos­ten und der kon­kre­ten Port­fo­lio­struk­tur. Die pas­sen­de Lösung ist die, die Sie auch in unru­hi­gen Bör­sen­pha­sen lang­fris­tig durch­hal­ten kön­nen.