Beispiel Hauskauf mit Nebenkosten berechnen

Bei­spiel Haus­kauf mit Neben­kos­ten berech­nen

Ein Bei­spiel Haus­kauf mit Neben­kos­ten zeigt schnell, war­um der ange­bo­te­ne Kauf­preis allein kei­ne ver­läss­li­che Finan­zie­rungs­grö­ße ist. Wer ein Haus für 350.000 Euro kauft, benö­tigt je nach Bun­des­land und Mak­ler­be­tei­li­gung oft 30.000 bis 50.000 Euro zusätz­lich. Die­se Sum­me muss in vie­len Fäl­len aus dem Eigen­ka­pi­tal bezahlt wer­den. Rech­nen Sie des­halb nicht nur mit der Dar­le­hens­ra­te, son­dern mit dem voll­stän­di­gen Kapi­tal­be­darf.

Bei­spiel Haus­kauf mit Neben­kos­ten: 350.000 Euro Kauf­preis

Für eine rea­lis­ti­sche Rech­nung neh­men wir ein Ein­fa­mi­li­en­haus in Nord­rhein-West­fa­len mit einem Kauf­preis von 350.000 Euro an. Der Kauf erfolgt über einen Mak­ler. Die Käu­fer­sei­te trägt einen Mak­ler­an­teil von 3,57 Pro­zent inklu­si­ve Mehr­wert­steu­er.

Die Grund­er­werb­steu­er beträgt in Nord­rhein-West­fa­len 6,5 Pro­zent. Damit fal­len 22.750 Euro an. Für Notar und Grund­buch soll­ten Käu­fer rund 2 Pro­zent des Kauf­prei­ses ein­pla­nen, in die­sem Bei­spiel also etwa 7.000 Euro. Der Mak­ler­an­teil liegt bei 12.495 Euro.

Aus den ein­zel­nen Posi­tio­nen ergibt sich fol­gen­de Rech­nung:

  • Kauf­preis: 350.000 Euro
  • Grund­er­werb­steu­er: 22.750 Euro
  • Notar- und Grund­buch­kos­ten: ca. 7.000 Euro
  • Mak­ler­kos­ten für die Käu­fer­sei­te: 12.495 Euro
  • Gesamt­ka­pi­tal­be­darf: 392.245 Euro

Die Kauf­ne­ben­kos­ten betra­gen damit 42.245 Euro. Bezo­gen auf den Kauf­preis sind das rund 12,1 Pro­zent. Ohne Mak­ler läge der Gesamt­be­darf bei etwa 379.750 Euro. Allein die Fra­ge, ob eine Immo­bi­lie pro­vi­si­ons­frei ange­bo­ten wird, kann also mehr als 12.000 Euro Unter­schied machen.

Wel­che Neben­kos­ten beim Haus­kauf unver­meid­bar sind

Grund­er­werb­steu­er sowie Notar- und Grund­buch­kos­ten gehö­ren prak­tisch zu jedem Immo­bi­li­en­kauf. Die Höhe der Grund­er­werb­steu­er rich­tet sich nach dem Bun­des­land. Sie reicht der­zeit von 3,5 bis 6,5 Pro­zent des Kauf­prei­ses. Bei einem Objekt für 350.000 Euro macht die­ser Unter­schied bis zu 10.500 Euro aus. Der Stand­ort beein­flusst damit nicht nur Prei­se, son­dern auch die Erwerbs­ne­ben­kos­ten.

Der Notar beur­kun­det den Kauf­ver­trag, bean­tragt not­wen­di­ge Ein­tra­gun­gen und wickelt den Eigen­tums­über­gang recht­lich ab. Grund­buch­kos­ten ent­ste­hen etwa für die Auf­las­sungs­vor­mer­kung, die Eigen­tums­um­schrei­bung und gege­be­nen­falls die Ein­tra­gung einer Grund­schuld für die finan­zie­ren­de Bank. Die genaue Rech­nung hängt vom Ein­zel­fall ab, mit rund 1,5 bis 2 Pro­zent des Kauf­prei­ses liegt man für die ers­te Pla­nung meist rich­tig.

Mak­ler­kos­ten sind dage­gen nicht immer fäl­lig. Bei Ein­fa­mi­li­en­häu­sern, Rei­hen­häu­sern und Eigen­tums­woh­nun­gen tei­len Käu­fer und Ver­käu­fer die Pro­vi­si­on grund­sätz­lich, wenn bei­de Sei­ten den Mak­ler beauf­tragt haben. Wie hoch der Käu­fer­an­teil aus­fällt, steht im Mak­ler­ver­trag und im Expo­sé. Prü­fen Sie die­se Anga­be vor einer Besich­ti­gung mit ernst­haf­ter Kauf­ab­sicht.

So viel Eigen­ka­pi­tal braucht die Finan­zie­rung im Bei­spiel

Ban­ken finan­zie­ren Kauf­ne­ben­kos­ten häu­fig nicht oder nur zu schlech­te­ren Kon­di­tio­nen mit. Der Grund: Steu­ern, Notar­kos­ten und Pro­vi­sio­nen erhö­hen den Wert der Immo­bi­lie nicht. Sie sind nach dem Kauf bezahlt, kön­nen bei einem spä­te­ren Ver­kauf aber nicht ein­fach wie­der erlöst wer­den.

Im Rechen­bei­spiel wären daher min­des­tens 42.245 Euro Eigen­ka­pi­tal sinn­voll, um alle Kauf­ne­ben­kos­ten selbst zu tra­gen. Noch bes­ser ist zusätz­li­ches Eigen­ka­pi­tal für einen Teil des Kauf­prei­ses. Wer bei­spiels­wei­se ins­ge­samt 112.245 Euro ein­bringt, zahlt die Neben­kos­ten von 42.245 Euro und wei­te­re 70.000 Euro auf den Kauf­preis. Der Kre­dit­be­darf beträgt dann 280.000 Euro.

Das ent­spricht einer Belei­hung von 80 Pro­zent des Kauf­prei­ses. Für Ban­ken ist das meist eine deut­lich soli­de­re Aus­gangs­la­ge als eine Voll­fi­nan­zie­rung. Häu­fig ver­bes­sert sich dadurch auch der Soll­zins. Wie stark, hängt von Ein­kom­men, Lauf­zeit, Objekt­wert, Regi­on und Bank ab. Ein direk­ter Ange­bots­ver­gleich zeigt, wel­che Kon­di­tio­nen bei Ihrer per­sön­li­chen Finan­zie­rung mög­lich sind.

Eine Finan­zie­rung ohne Eigen­ka­pi­tal ist nicht grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen. Sie kann für Haus­hal­te mit sehr siche­rem Ein­kom­men und guter Boni­tät funk­tio­nie­ren. Sie bedeu­tet aber meist höhe­re Zin­sen, eine län­ge­re Ent­schul­dung und weni­ger Spiel­raum bei sin­ken­den Immo­bi­li­en­wer­ten. Beson­ders kri­tisch wird es, wenn zusätz­lich Reno­vie­rungs­kos­ten finan­ziert wer­den müs­sen.

Kre­dit­ra­te rich­tig ein­ord­nen

Neh­men wir für das Dar­le­hen über 280.000 Euro einen Soll­zins von 3,5 Pro­zent und eine anfäng­li­che Til­gung von 2 Pro­zent an. Zins und Til­gung erge­ben zusam­men 5,5 Pro­zent pro Jahr. Die monat­li­che Rate liegt damit bei rund 1.283 Euro.

Die­se Rate ist aber nicht die gesam­te monat­li­che Wohn­be­las­tung. Eigen­tü­mer zah­len außer­dem lau­fen­de Kos­ten wie Gebäu­de­ver­si­che­rung, Grund­steu­er, Was­ser, Abwas­ser, Müll­ab­fuhr, Hei­zung, Strom und Instand­hal­tung. Bei einem Haus soll­ten Sie zusätz­lich eine finan­zi­el­le Reser­ve für Repa­ra­tu­ren bil­den. Dach, Hei­zung oder Fens­ter las­sen sich nicht auf­schie­ben, wenn ein Defekt auf­tritt.

Als gro­be Ori­en­tie­rung kön­nen Eigen­tü­mer jähr­lich etwa 1 bis 1,5 Pro­zent des Gebäu­de­werts für die Instand­hal­tung zurück­le­gen. Bei älte­ren oder sanie­rungs­be­dürf­ti­gen Häu­sern kann der Bedarf deut­lich höher sein. Die­se Rück­la­ge gehört nicht in die Kal­ku­la­ti­on der Kauf­ne­ben­kos­ten, ist für eine trag­fä­hi­ge Haus­halts­rech­nung aber genau­so rele­vant.

Zusätz­li­che Kos­ten vor dem Notar­ter­min prü­fen

Neben den klas­si­schen Neben­kos­ten gibt es Aus­ga­ben, die vom Objekt und von der Finan­zie­rung abhän­gen. Sie fal­len nicht immer an, wer­den in der ers­ten Rech­nung aber oft ver­ges­sen. Dazu zäh­len bei­spiels­wei­se Kos­ten für ein Wert­gut­ach­ten, eine Bereit­stel­lungs­pro­vi­si­on bei spä­ter Aus­zah­lung des Dar­le­hens, Umzug, Reno­vie­rung oder eine neue Küche.

Bei einem älte­ren Haus sind ins­be­son­de­re ener­ge­ti­sche Maß­nah­men ein wich­ti­ger Prüf­punkt. Muss die Hei­zung ersetzt wer­den? Sind Fens­ter, Däm­mung oder Elek­trik noch zeit­ge­mäß? Ein güns­ti­ge­rer Kauf­preis kann sinn­voll sein, wenn die Moder­ni­sie­rung sau­ber kal­ku­liert und finan­zi­ell abge­si­chert ist. Ohne Kos­ten­vor­anschlä­ge bleibt der ver­meint­li­che Preis­vor­teil jedoch unsi­cher.

Auch Haus­geld und Son­der­um­la­gen sind bei Eigen­tums­woh­nun­gen rele­vant. Beim Kauf eines Hau­ses ent­fal­len die­se Pos­ten meist, dafür tra­gen Sie Instand­hal­tung und Orga­ni­sa­ti­on voll­stän­dig selbst. Prü­fen Sie bei jeder Immo­bi­lie Unter­la­gen, Ener­gie­aus­weis, Sanie­rungs­stand und mög­li­che Belas­tun­gen im Grund­buch, bevor Sie die Finan­zie­rung ver­bind­lich pla­nen.

Kauf­preis, Neben­kos­ten und Dar­le­hen sau­ber tren­nen

Für eine schnel­le ers­te Kal­ku­la­ti­on hilft eine kla­re Auf­tei­lung in drei Töp­fe: Kauf­preis, Erwerbs­ne­ben­kos­ten und Reser­ve. Der Kauf­preis ist der Wert des Objekts. Die Erwerbs­ne­ben­kos­ten ent­ste­hen durch den Eigen­tums­über­gang. Die Reser­ve schützt Sie vor Aus­ga­ben, die kurz nach dem Ein­zug auf­tre­ten oder bereits abseh­bar sind.

Ein häu­fi­ger Feh­ler ist, das gesam­te ver­füg­ba­re Gut­ha­ben als Eigen­ka­pi­tal in den Kauf zu ste­cken. Dann reicht zwar die Finan­zie­rung auf dem Papier, aber für Umzug, klei­ne­re Repa­ra­tu­ren oder eine defek­te Wasch­ma­schi­ne bleibt kein Puf­fer. Sinn­voll ist ein sepa­ra­tes, kurz­fris­tig ver­füg­ba­res Pols­ter, das nicht fest in die Finan­zie­rung ein­ge­plant wird.

Ver­glei­chen Sie außer­dem nicht nur den Zins­satz. Ent­schei­dend sind unter ande­rem die monat­li­che Rate, die Zins­bin­dung, mög­li­che Son­der­til­gun­gen, die Til­gungs­op­tio­nen und die Rest­schuld am Ende der Soll­zins­bin­dung. Eine nied­ri­ge Anfangs­ra­te kann attrak­tiv wir­ken, führt bei zu gerin­ger Til­gung aber zu einer hohen Rest­schuld und zusätz­li­chem Zins­ri­si­ko bei der Anschluss­fi­nan­zie­rung.

So nut­zen Sie das Bei­spiel für Ihre eige­ne Rech­nung

Über­tra­gen Sie das Rechen­mo­dell auf Ihren Wunschort: Mul­ti­pli­zie­ren Sie den Kauf­preis mit dem Grund­er­werb­steu­er­satz Ihres Bun­des­lands, rech­nen Sie etwa 1,5 bis 2 Pro­zent für Notar und Grund­buch hin­zu und ergän­zen Sie den tat­säch­li­chen Mak­ler­an­teil. Danach addie­ren Sie geplan­te Reno­vie­run­gen sowie eine Reser­ve. Das Ergeb­nis ist nicht der Preis im Expo­sé, son­dern der Betrag, den Sie wirk­lich finan­zie­ren oder aus eige­nen Mit­teln auf­brin­gen müs­sen.

Mit die­sen Zah­len kön­nen Sie einen Bau­fi­nan­zie­rungs­ver­gleich gezielt nut­zen: Kauf­preis, Eigen­ka­pi­tal und gewünsch­te Dar­le­hens­sum­me ein­ge­ben, Rate berech­nen und pas­sen­de Anbie­ter ver­glei­chen. Je rea­lis­ti­scher Ihre Neben­kos­ten und Rück­la­gen ange­setzt sind, des­to belast­ba­rer ist die Ent­schei­dung. Kau­fen Sie erst dann mit gutem Gefühl, wenn auch nach Notar­ter­min und Umzug noch finan­zi­el­ler Spiel­raum bleibt.